Durch’s rote Moor und die Kaskadenschlucht (Hessische Rhön)

Lieber Wanderfreund, heute berichten wir von einer ganz wundervoll grauenhaften Wanderung.

Wundervoll Grauenhaft?

Ja, wunderschöne Wanderwege, wundervolle Natur und grauenvolle Begegnungen …

Aber von vorn: es war Samstag der 3. Oktober – Feiertag in Deutschland und eigentlich nicht unbedingte der beste Tag um eine große Wanderung zu starten, denn bekanntlich zieht es ja an Wochenenden und Feiertagen alles was zwei Beine hat nach draußen in die Natur.

Wir wollten aber unbedingt mal zu diesem tollen Fleck, den ich in den Google Maps entdeckt hatte und so dachte ich mir: “so schlimm kann es ja nicht werden, das Wetter ist ja immerhin recht trübe”

Unser Start war schon recht holprig und ich hätte auch am liebsten noch vor dem Parkplatz umgekehrt.

Allerdings war das auf meinem eigenen Mist gewachsen. *lach*

An der Abzweigung zum Wanderparkplatz stand ein Straßenschild mit dem Hinweis “Straße gesperrt” und eine fette Straßensperre stand mitten auf der Straße. Ich überflog also im Vorbeifahren das Schild und orientierte mich an dem gelben Umleitungsschild und folgte der Straße weiter. Und weiter. Und weiter. Nach 15 Minuten kam ich in ein Dorf und die Umleitung endete. Ich betete zum Google Gott und überflog die Maps. Ich ahnte schon, dass ich eventuell etwas ganz bestimmtes übersehen hatte und fuhr die 15 Minuten wieder zurück.

An der Einfahrt zum Parkplatz dann die ernüchternde Feststellung: die Umleitung und die 30 Minuten Fahrt waren umsonst, denn die Straßensperre betraf nicht die 50 Meter bis zum Parkplatz ….

Und die zweite schockierende Feststellung: der Parkplatz war voll. Wir suchten und fanden dennoch einen Platz und starteten unsere Tour und wurden gleich in einer wunderschönen Umgebung empfangen. Zudem schien pünktlich bei unserer Ankunft die Sonne.

Hinweisschilder des Naturschutzgebietes wiesen sogleich daraufhin, dass die Hunde bitte an der Leine bleiben sollen und auch ein entgegenkommender Ranger lobte uns, dass beide Hunde so brav an der Leine laufen würden.

Wir kamen auf eine wunderbare Hochebene und hatten einen tollen Blick auf hessens höchste Erhebung: die Wasserkuppe.

Wie auch auf der Wasserkuppe (die wir auch schon kennen) ist es auch hier oben recht windig, aber wunderschön und vor allem sehr ruhig und leer, so dass die Hunde auch mal unangeleint über die Wiesen flitzen konnten.

Wir spazierten über die Hochebene, durch einen Wald und kamen zum Besucherzentrum Rotes Moor mit angrenzendem (vollen) Parkplatz. Von dort war es nicht weit zum Stausee am Roten Moor. (Hinweis: Naturschutzgebiet und nicht zum Trinken oder Baden für die Vierbeiner gedacht!)

Ein paar Meter weiter wurde es wieder voller und wir fanden unser Highlight mit samt den Scharen von anderen Spaziergängern. Schon in Belgien wanderten wir über solche Holzbohlen und ich liebe es.

Allerdings war es hier im Roten Moor echt schwer, ein schönes Bild hinzubekommen. Trotz Cronona-Auflagen (zB. Abstand halten) war der Bohlender keine Einbahnstraße und wenn uns nicht gerade jemand entgegen kam, so lief meist hinter uns jemand.

Am allermeisten, und jetzt kommen wir zum grauenhaften Teil der Wanderung fand ich persönlich aber das Verhalten der Menschen dort auf den Stegen und auch im angrenzenden Wald. Eins vorweg: ich habe keine Angst vor Corona. Ich habe keine Angst, dass mich jemand anstecken könnte. Ganz im Gegenteil. Ich habe Angst, dass ich es vielleicht habe, das Virus und so unerkannt andere Menschen, vielleicht sogar sogenannte Risikopatienten anstecken könnte.

So stand zB. am Anfang des Holzbohlenwegs ein Schild mit dem Hinweis, dass man doch bitte versuchen sollte die Abstandsregelung einzahlten und die Ausbuchungen des Weges (die es alle paar Meter gab) nutzen solle um den Gegenverkehr passieren zu lassen.

Ich hatte diesen Hinweis gelesen und fühlte mich damit relativ allein. Zuerst die Tatsache, dass ich versucht habe mich mit den Hunden am Rand recht schmal zu machen, die Entgegenkommenden aber weiterhin teils in 2er oder 3er Grüppchen nebeneinander liefen war mein erster Aufreger. Als ich dann an einer dieser Buchten wartete bis der Gegenverkehr vorbei war und dabei von hinten von einem Paar (mit Hund) überholt wurde brachte mich kurz zur Weißglut und ich konnte mir ein “was glauben sie eigentlich, warum ich hier stehe” nicht verkneifen. Allerdings fühlte sich das Paar nicht angesprochen und setzte seinen Weg durch die Massen fort.

Der nächste Punkt, der mich zum Kopfschütteln gebracht hatte: der Aussichtsturm war auf Grund der Corona Maßnahmen nur durch einzelne Personen oder Familien zu betreten. Dass aber unterhalb des Turmes mindestens 6 Menschen (die sich vermutlich nicht kannten) eng an eng auf einer Bank warteten, ließ mich wirklich an der Menschheit zweifeln….

Wir verließen so schnell es ging den Holzsteg und fanden uns bald in einem Wald wieder.

Zugegeben, die Kaskadenschlucht hatte ich mir etwas imposanter, etwas “schluchtiger” vorgestellt. Aber die Terrier und ihr Frauchen hatte eine tolle Zeit.

Es wurde von toll sogar noch mal zu doll *lach* denn wir gerieten ein paar Meter nach der Schlucht in einen kleinen Almabtrieb und konnten uns in letzter Sekunde vor einer kleinen Kuhgruppe, die gerade in den Stall getrieben worden ist, in einen Waldweg “retten”. Das Video dazu gibt es, wie immer, in unserem Instagram Highlight zu den Wanderungen und Hessen.

Meine Laune wurde langsam wieder etwas besser, da wir weniger Leute trafen, dafür wurde das Wetter leider immer schlechter.

Ursprünglich war die geplante Tour viel länger. So etwa in der Kälte entschied ich mich wegen des aufziehenden Nebels mit Regen, die nächste Möglichkeit zu nutzen um wieder zu unserem Parkplatz zu gelangen. Allerdings führte uns diese “Abkürzung” geradewegs wieder zu dem Holzbohlenweg. Und es gibt für mich ja eigentlich nichts schlimmeres, als einen bereits gegangenen Weg erneut zu gehen. Allerdings hatte das trübe Wetter auch etwas gutes: der Steg war wesentlich leerer und die Terrier durften in Ruhe darüber tappsen.

Auf dem letzten Stück bekamen wir aber von Mutter Natur noch ein paar unglaublich schöne Impressionen geboten und mir wurde wieder mal klar: ich wandere lieber unter der Woche, wenn weniger Menschen unterwegs sind.

Jasper fing sich am Schafszaun noch einen Stromschlag ein *au weh* Frauchen hatte nicht aufgepasst und der Terrier war zu neugierig. Zum Glück ist nichts passiert und weder leuchtet er nun im Dunkeln, noch hat er andere Blessuren davon getragen.

So eine wunderschöne Landschaft, selbst bei Nebel und Nässe noch gut auszusehen schafft nicht jeder.

Doch: diese beiden! Die sehen auch nass und hungrig immer süß aus 🙂

Fazit: die Tour an sich bekommt von uns 3 von 5 Pfoten, da sie touristisch leider sehr überlaufen aber dennoch wunderschön ist.

Die Tatsache, dass um und im Moor ein Naturschutzgebiet angelegt ist, bedeutet natürlich, dass die Hunde angeleint laufen sollen. Mag für den Einen vollkommen in Ordnung sein, wir gehen aber lieber frei über Wiesen und Felder.

Hier gibt es wie immer unser Flugvideo zur Wanderung durchs Rote Moor:

 

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