Bonnie hat ‘Rücken’

Hallo, heute soll mal nicht über einen tollen Ausflug berichtet werden, hier wollen wir mal detailiert erzählen, wie sich das mit Bonnies Rücken zugetragen hat.

Heute wissen wir, Bonnie hat einen Bandscheibenvorfall. Ja, das gibt es tatsächlich auch beim Hund und hat, ähnlich wie beim Menschen die verschiedensten Gründe, Ursachen, Symptome und Heilungswege.

Von vorne….

Bonnie ist ein Hund, der in jedes Erdloch neuierig seine Nase rein steckt oder auf jedem Baumstamm kraxelt. Klettern ist, neben dem Schwimmen, eine eigenständig ‘erlernte’ Eigenschaft von Bonnie. Jetzt wirst Du sagen, Ja, mein Hund springt auch überall drauf.

Natürlich, das liegt in der Natur des Tieres. Man könnte jetzt vom Wolf und der Futtersuche und etc. ableiten. Aber es gibt eben auch Hunde, die sind neugieriger und mutiger (oder ist es wagemut?) als andere. Bonnie ist dahingehend nicht ‘besonders’ aber eine besondere Situation hat sie in meinen Augen ganz  besonders werden lassen.

Wir waren, wie so oft am Wochenende im Wald unterwegs als sie eines Tages vor einem Jägerhochsitz stehen blieb und ganz interessiert nach oben guckte. Nein, da saß niemand drin. Sie guckte nach oben, guckte mich an und als ich sie bat, wieder auf den Weg zu kommen, tat sie es auch.Ein paar Tage (es können auch Wochen gewesen sein) beobachtete ich sie wieder bei der gleichen Handlung. Auch diesmal saß niemand auf dem Hochsitz und diesmal hatte sie sogar schon eine Pfote auf der untersten Leitersprosse.Das Spiel ging eine ganze Weile, beinahe einen ganzen Sommer so weiter. Bis, ja bis sie eines Tages die Neugier packte und mich ehrlich gesagt auch. Du kennst doch sicher auch diese kleinen Jägersitze im Wald. Die, die nur drei Stufen haben und quasi einem Meter über dem Boden stehen? So einen hatte sie sich dieses eine Mal ausgesucht. Eine Pfote auf der untersten Sprosse, der Blick zu mir und aus meinem Mund kam ‘Na dann probier’s’ und zack, so schnell konnte ich gar nicht gucken, hatte sie die zweite Pfote dazu geholt und kletterte mit Hilfe der Hinterpfoten diese 3 Sprossen hoch. Das war ein Anblick, Du glaubst es nicht. Ich war mega stolz auf die kleine Maus, da ich ihr das nicht beigebracht hatte und Bonnie stand ebenso stolz, heftig wedelnd, auf dem kleinen Ansitz.Von da an konnten wir logischerweise an keinem Hochsitz mehr vorbei gehen. Zu Anfang suchten wir uns die kleinsten aus, die mit den breitesten Sprossen und bei denen die Treppe einen größeren Winkel hatte. Und Bonnie perfektionierte ihr neustes Hobby immer weiter bis wir schließlich wirklich an keinem Hochsitz mehr vorbei gehen konnten, ohne das sie davor stehen blieb, die Pfoten schon auf der ersten Sprosse und der erwartungsvolle Blick zu mir.Wenn Du dich jetzt fragst, ja runter kam sie natürlich nicht von alleine. Da musste ich sie dann wieder vom Hochsitz pflücken und herunter tragen. Dieses kleine Hobby war unser Sport im Sommer / Herbst 2018 und die einzigen Bedenken, die wir hatten war, das sie jemals dort alleine hoch aber nie wieder runter käme.

Hier mal ein altes Bild aus dem Sommer 2018 (bitte nicht nachmachen!)

Und das zeigt, wie besonders kletterfreudig Bonnie ist. Mit dem Schwimmen hat es sich ähnlich entwickelt. Sie ist eine wahre Wasserratte. Während Jasper am Ufer steht und wartet bis man seinen Ball hinein wirft, hat sie sich schon in die Fluten gestürzt und dreht ihre Bahnen. Nein, kein Witz. Bonnie schwimmt selbstständig mehrere Minuten, scheinbar grundlos, auf und ab. Das man sie sowohl in stillen Seen als auch in Main oder Rhein, wo sie dann gegen die Strömung kämpft, nach 10 Metern wendet und sich mit der Strömung gleiten lässt, wieder wendet und so weiter und so fort.

Bonnie ist also ein sehr bewegungsfreudiger Hund, auch wenn sie sich bei einem Versuch im Agility recht unbeweglich angestellt hat und dieses Hürdenspringen wohl nicht als besondere Herausforderung angesehen hat.

Umso schlimmer war der Tag, der vorletzte Tag im Jahr 2018, als sie auf einmal nicht mehr gehen wollte / konnte.

Am Tag vor Silvester, Sonntag der 30. Dezember 2018 war dann ein Tag an dem ich meinen agilen Terrier nicht mehr wieder erkannte. Es war ein Sonntag. Klar, so etwas passiert immer am Wochenende. Kaum ein Hundehalter ist unter der Woche in der Tierklinik…..

Wie erwähnt, ein Sonntag. Wir standen auf, wie jeden Sonntag, machten Frühstück und uns anschließend bereit für eine schöne Runde durch den Wald. Die Hunde, wie immer, auf der Couch oder in ihrem Körbchen. Ich beobachtete Bonnie, beim Versuch auf die Couch zu hüpfen und überlegte, warum sie es nach 3 erfolglosen Anläufen blieben ließ. Auf dem Weg zur Tür lief und tippelte sie aber vollkommen normal herum und freute sich auf Draußen. Die Stufen zum Aufzug runter hüpfte sie auch nicht wie sonst herunter und ich überlegte, ob die letzte Gassirunde gestern Abend doch zu früh war und es hinten wohl etwas drückte…

Draußen angekommen, schnüffelte sie wie immer ihre Tageszeitungspunkte ab und schien wieder normal zu sein. Als wir aber nach ca. 5 Minuten Gehen am Wald angekommen waren, merkte ich, dass tatsächlich etwas nicht stimmt. Während die ersten Meter Wald noch vollkommen normal waren (schnüffeln, ein bisschen rennen..) wurde sie plötzlich langsamer. Setzte sich hin und guckte mich mit hängenden Ohren an. Da Hunde ja nun mal schlecht bis gar nicht über ihre Schmerzen und Probleme reden, war es schwierig für mich herauszufinden, was mit ihr nicht stimmte. So lockten wir sie erst einmal zum weitergehen. Als sie aber nach nur wenigen Schritten immer wieder stehen blieb, sich teilweise auch rückwärts bewegte, ahnte ich, dass etwas gar nicht in Ordnung ist. Wir traten also langsam und mit viel Überzeugungsarbeit den Heimweg an. Dass Bonnie auf der ganzen Strecke weder Pipi noch Kacka gemacht hat, ist mir erst später aufgefallen.

Zu Hause angekommen war ich zwischen ‘Ruhe geben’ und Tierklinik anrufen hin und her gerissen. Als sie aber beim Versuch auf die Couch zu kommen weinend scheiterte, stand für mich fest -> es geht in die Klinik. Sie hatte was am Bauch? Oder mit den Beinen? Oder gar am Rücken? Selbst beim Versuch sie vorsichtig hochzunehmen um sie die Stufen herunter zu tragen fiepte sie. Ich wusste schon kaum noch wo ich sie anfassen sollte, als ich sie zu Hause ins Auto rein und an der Klinik angekommen, aus dem Auto rausheben wollte, ohne ihr Schmerzen zu bereiten.

Wir fuhren nach Hofheim in die Tierklinik, da sie uns vor einiger Zeit schon mal empfohlen worden ist (“…wenn mal was ist”) und wir haben uns von Anfang an gut aufgehoben gefühlt. Die Mädels an der Anmeldung sind sehr nett und freundlich. Natürlich gibt es am Wochenende im Notdienst gewisse Wartezeiten. Eine Ärztin kam kurz nach unserer Ankunft vorbei und macht den ersten Vitalcheck. So wird vorab abgeklärt, wie wichtig ein Notfall ist und somit besonderen Vorrang hat.

Wir mussten gar nicht lange warten und kamen zu einer sehr lieben Ärztin, die, wie sich herausstellte, ebenfalls einen Border Terrier zu Hause hat. Sie untersuchte Bonnie gründlich von außen und innen. Reflextests der Beine, Abtasten des Bauches und der Wirbelsäule und und und …. Und Bonnie gab keinen Mucks von sich. Sie schmatzte einmal, als sie auf einer bestimmten Stelle des Rückens berührt wurde und sonst stand sie recht regungslos auf dem Untersuchungstisch, was die Untersuchung natürlich etwas erschwerte.

Die Ärztin konnte leider nur Tippen und wollte aber, um noch einmal ganz sicher zu gehen, dass ihre Vermutung in etwa stimmte eine Röntgenaufnahme machen.

Und hier kommen wir zu dem unglaublich lieben und vor allem tierlieben Einsatz der Ärzte und Ärztinnen dort. Oft liest man bei Tierkliniken, dass etwas teuer sein, dass eine Behandlung ‘aufgeschwatzt’ wurde. Hier erlebte ich etwas ganz anderes. Da Bonnie plötzlich so wenig Regung und Schmerzen zeigte, musste die Ärztin wirklich Ursachenforschung betreiben und schlug vor eine Röntgenaufnahme vom Bauchraum zu machen und auszuschließen, dass kein Fremdkörper in Bauch oder Darm ist. Diese Aufnahme, so hieß es gleich von ihr, müssen wir nicht bezahlen, die will sie nämlich unbedingt machen um dies auszuschließen. Da war ich wirklich baff ….

Bonnie wurde also, sehr lieb und brav, bei vollem Bewusstsein geröngt und hat das ganz tapfer mitgemacht.

Befund: Bauchraum und Organe sind okey.

Verdacht auf Bandscheibenvorfall oder eine Art Hexenschuss.

Und hier das Nächste; man hätte natürlich gleich ein MRT machen können um ganz sicher Gewissheit zu haben, aber wie beim Menschen werden diese Symptome zunächst mit einer schmerzlindernden Therapie bekämpft. Also, so die Ärztin, hätten wir zwar ein MRT machen können, sie empfahl es aber nicht unbedingt.

Wir wurden mit eine kleinen Apotheke und dem Hinweis auf viel Ruhe und rückenschonende Bewegung nach Hause geschickt und haben, trotz Notdienst und Untersuchungen und Medikamenten keine Unsumme ausgegeben, wie sie oft von Tierkliniken berichtet wird.

Es gab also 2 Wochen kurze und ruhige Leinenspaziergänge für Bonnie. Die Treppen trug ich sie hoch und runter und man merkte, wie die Medikamente sie zwar etwas müde & schlapp machten, ihre Schmerzen aber wieder weg gingen.

Im Februar, als wir die Medikamente langsam haben auslaufen lassen, suchte ich eine Tierphysiotherapeutin, zu der wir regelmäßig alle 4 – 6 Wochen fuhren und Bonnie durchmassiert wurde. Anfangs fand sie es wohl etwas komisch, mit zunehmenden Terminen aber wohl immer angenehmer und ihre Bewegungen wurden wieder normal.

Im hübschen Wartebereich der Tierphysiotherapeutin Jessica Hock:

Der Sommer kam und wir gingen wieder Schwimmen und Wandern und Bonnie war wieder ganz die Alte.

Jeder Hundehalter kann dies wohl nachvollziehen und weiß genau, wann es dem kleinen (oder großen) Fellknäuel nicht gut geht. Bei Bonnie sieht man (also ich) das immer sehr gut an den Ohren. Hier zum Vergleich – links: nicht mein Mädchen, wie ich sie kenne. Rechts: das ist mein aufgewecktes Bonnielinchen.

Ich achtete darauf, dass Bonnie nicht mehr auf Hochsitze kletterte, dass sie viel schwamm. Und …. es kam wie es gekommen ist.

Am 5. April, es war natürlich wieder ein Sonntag, kamen ähnliche Anzeichen wieder zum Vorschein. Sie hatte Mühe auf ihren Platz auf der Couch zu kommen. Sie lief langsamer als sonst. Sie setzte sich beim spazierengehen immer mal wieder hin. Dieses mal lief sie aber nicht rückwärts, sondern hob ab und an ihr linkes Hinterbein hoch. Ich kontrollierte natürlich erst einmal die Pfote, ob sie sich nichts eingetreten hatte und machte mich auf den Rückweg um ihr Ruhe zu gönnen. Mit Ruhe, dachte ich, wird so ein Schmerzanfall sich sicher wieder bessern.

Ich selbst hatte erst im Januar eine fiese Schmerzattacke, bei der sich Ende Februar im MRT ein Bandscheibenvorfall des LWS1-5, zeigte und weiß daher, dass manche Bewegungen sehr unangenehm sein können.

Den Sonntag über schlief und ruhte sie viel.

Als es am Montag aber statt besser noch schlimmer wurde, war mir sofort klar -> wir fahren wieder in die Klinik. Bei der ersten Gassirunde morgens war sie sehr langsam unterwegs und machte geradeso ihr Pipigeschäft. Als ich dann mittags noch einmal mit ihr draußen war, fing sie recht schnell an zu zittern und stark zu hecheln. Ich setzte sie sofort ins Auto und fuhr nach Hofheim. Trotz Corona Krise, dem typischen Klinikstress und den Not-Patienten waren die Mädels an der Anmeldung einfach umwerfend. Es wurde wieder zuerst ein Vitalcheck gemacht, bei dem Bonnie schon bei der geringsten Berührung ihres Rückens fiepte. Sie hechelte teils so stark, dass ich nicht wusste wie ich sie beruhigen sollte und fast fürchtete, sie würde kollabieren. Dieses Mal mussten wir recht lange warten, ein operierter Hund nach dem anderen wurde aus der Klinik gebracht. Was war denn heute los, dachte ich mir….

Als wir im Untersuchungsraum waren stand Bonnie, wie vor einem Jahr recht regungslos auf dem Tisch. Ließ sich die Beine stretchen, die Wirbelsäule abtasten, den Hals verrenken und und und. Und machte dabei wieder einmal keinen Piep. Nicht mal ein Schmatzen kam ihr diesesmal über die Lefzen. Ich schilderte der Ärztin alle Symptome der letzten 36 Stunden und je weiter die Untersuchung fortschritt, umso mehr konnte ich sehen, das es nichts zu sehen gab. Die Ärztin gab sich alle Mühe. Untersuchte den Bauch, machte ein Ultraschall um auszuschließen, dass mit den Organen im Bauch- & Darmraum etwas auffällig war. Aber …. sie konnte keinen wirklichen Befund ausmachen. Neurologisch war Bonnie gesund. So bekamen wir Metacam für die nächsten 5 Tage, Ruhe und den Hinweis, sofort wieder zu kommen, falls nach dem Absetzen des MedikAls wir im Untersuchungsraum waren stand Bonnie, wie vor einem Jahr recht regungslos auf dem Tisch. Ließ sich die Beine stretchen, die Wirbelsäule abtasten, den Hals verrenken und und und. Und machte dabei wieder einmal keinen Piep. Nicht mal ein Schmatzen kam ihr diesesmal über die Lefzen. Ich schilderte der Ärztin alle Symptome der letzten 36 Stunden und je weiter die Untersuchung fortschritt, unmso mehr konnte ich sehen, das es nichts zu sehen gab. Die Ärztin gab sich alle Mühe. Untersuchte den Bauch, machte ein Ultraschall um auszuschließen, dass mit den Organen im Bauch- & Darmraum etwas auffällig war. Aber …. sie konnte keinen wirklichen Befund ausmachen. So bekamen wir Metacam für die nächsten 5 Tage, Ruhe und den Hinweis, sofort wieder zu kommen, falls nach dem Absetzen des Medikaments die gleichen Symptome auftreten sollten.

Diesesmal, ja, diesesmal war ich nicht sehr glücklich über den Besuch der Klinik. Ich möchte der Ärztin nicht ihre Kompetenz absprechen, aber dass wir so gar keinen Befund erwirken konnten machte mich schon sehr nachdenklich. Bonnies Symptome waren schließlich nicht eingebildet. Und simulieren können Hunde mit Sicherheit auch nicht.

Wir fuhren also wieder nach Hause, sie bekam 5 Tage Metacam und ihre Bewegungen wurden wieder besser. Sie hechelte nicht mehr ‘grundlos’ und wir schonten sie überdies noch mit kurzen Gassigängen und viel Ruhe zu Hause.

Da, wie oben schon erwähnt, wohl jeder Hundehalter ganz genau im Gefühl hat, wann es seinem Vierbeiner gut oder schlecht geht, so wusste auch ich: hier stimmt etwas Als wir im Untersuchungsraum waren stand Bonnie, wie vor einem Jahr recht regungslos auf dem Tisch. Ließ sich die Beine stretchen, die Wirbelsäule abtasten, den Hals verrenken und und und. Und machte dabei wieder einmal keinen Piep. Nicht mal ein Schmatzen kam ihr diesesmal über die Lefzen. Ich schilderte der Ärztin alle Symptome der letzten 36 Stunden und je weiter die Untersuchung fortschritt, unmso mehr konnte ich sehen, das es nichts zu sehen gab. Die Ärztin gab sich alle Mühe. Untersuchte den Bauch, machte ein Ultraschall um auszuschließen, dass mit den Organen im Bauch- & Darmraum etwas auffällig war. Aber …. sie konnte keinen wirklichen Befund ausmachen. So bekamen wir Metacam für die nächsten 5 Tage, Ruhe und den Hinweis, sofort wieder zu kommen, falls nach dem Absetzen des nicht und ich wollte Bonnie einem Physiotherapeuten vorstellen. Da ich bis zum letzten Besuch immer gute Erfahrung mit der Klinik gemacht hatte und wusste welche gut sortierte und berühmte Reha-Abteilung dort zu finden ist, stellte ich eine Online Terminanfrage für die Physiotherapie. Knapp 2 Tage später bekam ich einen Anruf aus der Klinik. Eine sehr nette junge Auszubildende besprach mit mir am Telefon die Fakten und wir entschieden uns dafür, Bonnie bei der Orthopädin vorzustellen. Glücklicherweise war direkt am darauffolgendem Tag ein Termin frei und so fuhren wir am Donnerstag, 1 1/2 Wochen nach dem letzten Besuch in der Klinik, wieder nach Hofheim.

Durch den festen Termin in der Spezialabteilung mussten wir gar nicht warten. Die Orthopädin, Frau Dr. Günther, wollte zuerst Bonnies Gangbild begutachten und so liefen wir auf verschiedenen Untergründen hin und her und hin und her. Dann ging es in den Untersuchungsraum und Bonnie hatte zum ersten Mal nicht wirklich Lust auf diesen Tisch gehoben zu werden. Arme Maus. Frau Dr. Günther began die Untersuchung ähnlich wie beim letzten Mal. Funktionstests der Pfoten, Beine, Nacken verrenken, Beine stretchen, Reflextests an den Gelenken, Abtasten der Wirbelsäule und des Bauchraums. Befund: Bonnie ist ein gesunder Hund mit einer linksseitigen Xapromo….dings…

Puh, Fremdwörter sind ja gar nicht mein Ding. Und mir die Dinger auch noch zu merken ist ein absolutes NoGo meines Hirns *lach*

Sie erklärte mir alles sehr ehrlich und ausführlich. Verdacht 1: Bonnie hat einen Bandscheibenvorfall. 2: Es könnten aber auch “nur” Kalkablagerungen sein. Oder 3: sonstige Zysten oder ähnliches an der Wirbelsäule, da sie …..puh, wieder mal nicht besonders genau bei den Fremdwörtern aufgepasst….. linksseitig eine Art Ausfallerscheinung zeigt.

Sie erklärte mir, dass man den Befund natürlich nur hundertprozentig abklären kann wenn man ein Bild dazu hat. Ein CT könnte schnell gemacht werden, allerdings wird man drauf nicht alles sehen können. Beispielsweise hätten wir im CT etwaige Zysten oder dergleichen sehen können, aber einen Bandscheibenvorfall kann man so nicht ausmachen. Beim MRT kann man sicher sagen, was mit der Wirbelsäule nicht stimmen könnte, zumal für sie vieles für die Bandscheibe sprach. Sie erklärte mir nämlich auch, dass bei Hunden solch kleiner Rassen die Beine, im Verhältnis zum Rücken, zu kurz sind oder nicht lang genug sind. Sie zeigte mir das Beispiel der Golden Gate Bridge auf, bei der es auch einen bestimmten höchsten Punkt, einen Knackpunkt, gibt der den ganzen Druck des langen Gebildes tragen muss. So verhält es sich auch bei den kleinen Rassen, beim Dackel ist der Rücken im Verhältnis zu den Beinen noch viel länger als er sein ‘dürfte’, als die Wirbelsäule ohne Druck hallten kann und dieser Druckpunkt kann zu Problemen führen.

Ein MRT, puh, wie lang würde das dauern? Sie muss dafür in Narkose gelegt werden? Wir riskant wird das sein? Wie hoch sind die Kosten?

Fragen über Fragen …

Punkt 1: zu meinem Orthopädentermin war leider kein passender Radiologietermin geblockt worden. Ein CT wäre sofort möglich, für ein MRT würde ich einen weiteren Termin benötigen.

Punkt 2: Der Preis. Ja, jeder der schon ein paar Mal zu Besuch in einer Tierklinik war, weiß, dass man dort nie mit einem nur 2-stelligen Betrag aus der Tür geht. MRT mit allem drum & dran etwas über 800€. (Zur Info: bei einem CT ist man mit knapp 100 – 150€ weniger dabei)

Punkt 3: Sie verstand meine Bedenken bezüglich der Narkose sehr gut und klärte mich darüber auf, dass diese Narkose gar nicht so tief ist wie beispielsweise eine OP-Narkose. Bonnie wird lediglich 20 – 30 Minuten dösen, mit Vorbereitung und Nachbereitung wäre sie ca. 40 Minuten in der Behandlung und ich könnte sie schlafend im Aufwachraum erwarten.

Ich grübelte über alle 3 Punkte. Ja, 800€ waren eine Nummer. Wollte ich Bonnie das ‘antun’? Sie war noch nie in Narkose. Würde das ein Resultat bringen? Was, wenn dabei etwas herauskam? Was, wenn dabei nichts herauskam? Andererseits machte ich den halben Januar und fast den ganzen Februar mit meinem Rücken herum bis ich endlich meinen MRT-Termin und die anschließende Diagnose “Bandscheibenvorfall” bekommen hatte. Wissen ist schon Sicherheit und ich entschied mich für das MRT. Ein kurzer Anruf in der Radiologie beschleunigte alles noch, denn dort war gerade ein Termin frei und wir könnten schon in einer Stunde Gewissheit haben.

Ja.

Klar.

Machen wir!

Jasper und ich sollten eine Runde gehen und anschließend im Aufwachraum auf Bonnie warten. Ich gab Frau Dr. Günther die Leine in die Hand, sagte zu Bonnie sie solle schön brav sein und wir gingen jeweils getrennte Wege an der Tür. Jasper, der ohne Leine eh immer besser läuft und ich links herum zum Ausgang. Bonnie und die Ärztin rechts herum zur Radiologie. Keine 5 Schritte weiter höre ich schon ein ‘Nein’ und das Tippeln von Bonnie hinter mir. Hatte die kleine Ratte sich doch aus dem Halsband befreit und uns hinterher gedüst. Ich nahm sie hoch, sagte ihr erneut, dass sie schön brav sein soll und dass ich sie lieb habe und gab sie Dr. Günther auf den Arm. Beim Umdrehen merkte ich sofort, ich muss ja gar nicht weinen.

Weinen? Warum denn auch?

Weil ich bei Jaspers erster Narkose, er musste kastriert werden und ich durfte ihn beim Einschlafen begleiten, ziemlich mitgenommen wurde von dem, was ich da gesehen hatte. Der kleinn Wurm, der das Bewusstsein verliert. Der kleine Wurm, der überhaupt nicht wusste, was passiert. Die Frage ob alles gut gehen würde und man ihm jemals wieder in die wachen Terrieraugen gucken würde. Es ist natürlich alles gut gegangen und dennoch war ich bei Jaspers zweiter Narkose, er hatte sich einen zwei Zentimeter langen Holzsplitter in die Pfoten gerammt und dies musste in einer kurzen OP herausgeschnitten werden, sehr sehr aufgewühlt, dass ich nicht mit zum Einschlafen kommen durfte. Natürlich ist auch da alles gut gegangen.

Vielleicht war ich deswegen so ruhig? So cool? Oder war es das Vertrauen, dass Dr. Günther versprühte und die bisher guten Erfahrungen mit der Klinik?

Ich war aber auch damit beschäftigt Mister ‘Hallo ich bin der Jasper’ davon abzuhalten jeden anderen Hund im Wartebereich zu begrüßen und all die lieben Menschen um mich herum zu informieren, die mit Bonnie und mir mitfieberten. Jas und ich machten also eine Runde, im Feld gegenüber der Klinik und fanden neben zig Sprachnachrichten und Telefonaten auch noch Zeit für ein kleines Stöckchen-Spiel und etwas Sonne tanken.

Fast genau 40 Minuten später waren wir wieder an der Klinik und mussten keine 2 Minuten warten, da kam auch schon Dr. Günther heraus um uns zu Bonnie zu bringen. Also fast. Während Bonnie noch entubiert wurde besprachen wir das MRT und es war eindeutig.

Leider habe ich verpasst, mir die Daten gleich mitgeben zu lassen, aber es ist ein eindeutiges Bild, es ist ein eindeutiger Bandscheibenvorfall. Hier gibt es bei der genauen Bezeichnung aber einen entscheidenden Unterschied. Bonnies Bild zeigt einen Bandscheibenvorfall, allerdings ist der Faserring, der die Bandscheibe umhüllt, noch intakt und so ist noch kein Material aus dem Faserring der Bandscheibe ausgetreten. Bonnie hat also einen inkompletten Bandscheibenvorfall, eine sog. Bandscheibenprotrusion. Daher hat sie überwiegend ‘nur’ Wirbelsäulensymptome und beispielsweise keine Ausfälle und taube Beine. Die Ursachen einer Bandscheibenprotrusion und eines Bandscheibenprolaps (ein “richtiger” Vorfall mit Austritt der Gallertmasse) sind ähnlich. Falsche Bewegungen, Fehlbelastung, Alter oder liegen eben einer besonderen Anatomie zu Grunde (ich hatte es oben schon erwähnt, welche Auswirkungen kurze Beine und lange Hunderücken haben können).

Bonnies erste Bandscheibenprotrusion ereignete sich also letztes Jahr, als wir zum ersten Mal hier waren. Durch eine falsche Bewegung ist die Bandscheibe nun noch ein Stück weiter abgerutscht und hat ihr die akuten Schmerzen verursacht. Da ich mich aktuell auch noch in Physiotherapie befinde, kann ich sehr gut nachempfinden wie es ihr gerade geht und auch eine ungefähre Ahnung wie es ihr im letzten Jahr so ergangen ist. Also dafür, das sie den Bandscheibenvorfall schon letztes Jahr hatte, ist sie tapfer über’s Nebelhorn und mit zur westlichen Karwendelspitze hoch gekraxelt. Und ich dachte immer, sie hätte nach 4 Stunden wandern einfach keinen Bock mehr, weil sie nach längerer zeit unterwegs immer langsamer wurde.

In diesem Moment liebte ich diesen Hund noch mehr, als ich es ohnehin schon tat und tue.

Wir besprachen die weitere Vorgehensweise und ein weiteres Mal wurde ich positiv überrascht von der Klinik. Natürlich hatte ich gerade, bzw. würde ich in wenigen Minuten, mehr als 800€ zahlen und dennoch wurde mir keine Physiobehandlung ‘aufgeschwatzt’. Da Bonnie gut und sehr gerne schwimmt sollen wir den Sommer jetzt alsbald nutzen und mit ihr schwimmen gehen. Außerdem fördert gleichmäßige Bewegung, wie zB gemeinsames Laufen, die Muskulatur. Ich wollte meinen Rücken auch durch Laufen wieder in Form bringen und hatte nun meine beste Laufpartnerin an meiner Seite. Bonnie ist, im Gegensatz zu Jasper, eine ausgezeichnete und ausdauernde Läuferin. Wir sind vor ein paar Jahren schon zusammen gelaufen, bis ich mir den Fußzeh gebrochen hatte und leider nie wieder in meinen Laufflow kam. Da wir beide aber nun so einiges an Sport nötig hatten und ich ja schließlich weiterhin mit ihr & Jasper die Gipfel der Alpen erklimmen möchte, ist das nun gleich unsere Aufgabe für die kommenden Tage, Woche und Monate.

Zudem bekommt Bonnie nun 2 mal täglich Gabapentin um, ohne gleich auf Schmerzmittel zu gehen, ihren Rücken etwas entspannen können. Gabapentin wird ursprünglich zur Muskelentspannung bei Anfällen oder Ähnlichem eingesetzt, hat aber in der Tiermedizin auch gute Erfolge bei solchen, unseren, Diagnosen erzielt.

Jasper und ich mussten noch ein paar Minuten auf unser Bonnielein warten, die uns dann halb schlafend gebracht wurde. Kaum sah sie uns war sie allerdings schlagartig wach, zumindest dachte sie das wohl. Sie stand vor mir, der Schwanz wedelte heftig, die Augen noch ganz glasig, die Nase stupste sie mir ständig ins Gesicht da sie noch kein Gleichgewicht halten konnte. Jasper beschnüffelte sie ausgiebig und auch Bonnie stürzte sich auf ihn als sei es das Tollste, was sie je gesehen hatte.

Ich hatte meine Mühe, das wuselige Fellknäuel unter Kontrolle zu halten. Ständig stand sie auf, tapste herum, schwankte, fiel beinahe um, krabbelte unbeholfen auf meinen Schoß und verstand wohl die Welt nicht mehr. Ich selbst hatte zwar noch keine Narkose, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sich alles sehr sehr merkwürdig anfühlen muss.

Eine Schwester kam noch, zog den Venenkatheder. Frau Dr. Günther schaute noch einmal vorbei um mir ihre Karte zu geben, damit ich mich im Falle weiterer Fragen direkt an sie wenden kann.

Ich nahm meine zwei munteren Terrier an die Leine und fuhr frohen Mutes wieder nach Hause.

Eine halbe Woche später sitze ich jetzt hier und schreibe den wohl längsten und intensivsten Text unseres Blogs. Ein kleine halbkahle Stelle an Bonnies Bein erinnert noch an vergangenen Donnerstag und unsere Runden und Spaziergänge werden von Tag zu Tag länger besser.

Nächste Woche wollen wir das Lauftraining beginnen und haben auch schon MSM Pulver (zur Unterstützung der Belastbarkeit der Gelenke, Bänder und Sehnen) bei Nutrani (*werbung*unbezahlt*) bestellt, was uns eine liebe Freundin empfohlen hat. Ihr Hund, Bentley, hatte letztes Jahr leider schon zum zweiten Mal einen Bandscheibenvorfall und musste wegen Lähmungserscheinungen an Weihnachten operiert werden. Samira von @leo.und.bentley (Instagram) hat auf ihrem Blog übrigens auch einen ganz tollen Bericht dazu verfasst. Bentley ist mittlerweile wieder richtig gut drauf und wir kamen sogar tatsächlich schon in den Genuss die 3 persönlich kennenzulernen, noch vor Corona und somit sicher nicht zum letzten Mal.

Wir halten Dich auf unserem Instagram Account selbstverständlich immer wieder über Bonnie auf dem Laufenden und bei Interesse natürlich auch gerne über unsere Reha- und Physiomaßnahmen.

Bleibt gesund & munter 😉

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Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Die Wirbelsäule eines Hundes besteht aus Hals-, Brust-, Lenden- und Schwanzwirbeln. Würden sie alle direkt aneinander stoßen, wäre die Wirbelsäule nicht flexibel, sondern eher starr und ziemlich schnell verschlissen. Darum hat die Natur ein Puffersystem erfunden: die Bandscheibe (Discus intervertebralis). Wie kleine runde Gelkissen sitzen Bandscheiben zwischen den meisten Wirbeln und sorgen für reibungslose und damit Verschleiß mindernde Beweglichkeit der Wirbel gegeneinander. Einem Stoßdämpfer gleich absorbiert die gelartige Konsistenz der Bandscheibe außerdem einwirkende Erschütterungen.

Wird der äußere Ring der Bandscheibe aufgrund von Minderversorgung, genetischer Prädisposition oder Überlastung brüchig,  kann er der Belastung irgendwann nicht mehr standhalten. Durch den entstandenen Schaden wölbt sich der weiche Gallertkern nach außen und der Patient hat einen Bandscheibenvorfall.

Es gibt dabei zwei Arten des Bandscheibenvorfalls, den Unvollständigen und den Vollständigen.

Bei einem unvollständigen Diskusprolaps ist die äußere Begrenzung des Faserknorpelringes zwar intakt und der Kern kann nicht austreten. Doch der Ring selbst ist aufgeweicht, wölbt sich vor (Protrusion) und übt auf die umliegenden Nerven erhöhten Druck aus. Je nach Ausmaß und Lokalisation verursacht das Schmerzen, die sehr stark sein können und oft Muskelverhärtungen nach sich ziehen.

Beim vollständigen Vorfall ist der schützende Außenring zerrissen, das weiche Bandscheibenmaterial im Inneren ist in den Rückenmarkskanal vorgefallen (Extrusion) und hat es durch die Raumforderung verdrängt, bzw. stark geschädigt. Die Symptome können denen des unvollständigen Vorfalles ähneln, oft sind sie jedoch so schwerwiegend, dass es je nach Lokalisation und Umfang des Vorfalls zu Lähmungen im Bereich der Hinter- und eventuell auch der Vordergliedmaßen kommt.

Quelle: atm.de

Bei Bonnie war es also nur ein unvollständiger Vorfall, aber ihre Schmerzen waren sehr stark, sie wollte nicht mehr laufen, ihre Muskeln verspannten sich und Berührungen im Bereich der Wirbelsäule waren unangenehm bis schmerzhaft für sie.

Die Behandlung: Patienten mit einer reinen Schmerzsymptomatik und leichter Koordinationsstörung der betroffenen Gliedmaßen (Ataxie) können sehr gut naturheilkundlich behandelt werden. Im Vordergrund steht die Behandlung des Schmerz- und Entzündungsgeschehens sowie die Auflösung der durch den Schmerz ausgelösten Verspannungen. Schulmedizinisch geschieht dies durch Gabe von nichtsteroidalen Entzündungshemmern. Anfangs absolute Schonung und möglichst wenig Bewegung, (kein Treppensteigen, nicht springen) mit anschließendem physiotherapeutischen Belastungsprogramm zum Muskelaufbau, sowie Erhalt der Beweglichkeit.

 

 

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