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Ein Traum(urlaub) am Karwendelgebirge

Hallo Leute, es ist mal wieder soweit. Nach unserem spontanen Kurztripp vor 4 Wochen zum Nebelhorn hat es uns erneut in die Alpen verschlagen. Wobei dieser Kurzurlaub hier schon länger geplant war.

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Wie immer …… fangen wir von vorne an. Ich hatte mal irgendwann etwas vom Karwendelgebirge aufgeschnappt und in meinem Alpenwahn gleich nach Unterkünften recherchiert. Das gar nicht mal so kleine Örtchen Mittenwald ist mir dabei gleich ins Auge gefallen. Kurz nach der Zugspitze, nur einen Katzensprung von Garmisch Partenkirchen erntfernt, zwischen Wetterstein- und Karwendelgebirge liegt es ideal für unzählige Ausflüge. Unsere Unterkunft am Ortsrand, etwas oberhalb, liegt total praktisch nur 250 Meter von der Karwendelbahn entfernt. Ist übrigens total praktisch, das die gerade wegen Wartungsarbeiten gesperrt ist *grummel* …

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Tag 1 Anreise & Unterkunft

Hier kommen aber erst einmal die ersten Eindrücke unserer Ferienwohnung. Zu Anfang möchte ich noch kurz erwähnen, dass unser Urlaub eigentlich schon am Montag früh hätte starten sollen …. hätte. Ja wie heißt es so schön “Life is what happens when u are busy making other plans”. Leider kam nämlich dem Herrchen ein wichtiges Geschäftsmeeting am Montagmittag dazwischen und so bestand unser erster Urlaubstag aus Arbeiten (Herrchen) und Warten & Packen (Frauchen). Unser Vermieter der Ferienwohnung Arzgrube war aber so nett & verständnissvoll und empfing uns am Montag Abend um halb Zehn an unserer Unterkunft in Mittenwald. Für die knapp 500km brauchten wir wirklich auch fast 5 Stunden…

Die Ferienwohnung befindet sich in einem 2stöckigen Wohnhaus, welches aus mehreren Ferienwohnungen besteht. Da wir aktuell hier vollkommen außer der Saison da sind, haben wir übrigens das ganze Haus für uns. Die Zweizimmerwohnung ist relativ neu renoviert, großzügig geschnitten und liebevoll eingerichtet.

Die detailierte Einrichtung bekommt von mir mal wieder einen Sonderpunkt, da es in der Küche an nichts fehlt. Handtücher, ein Föhn, Toilettenpapier und Taschentücher im Bad; Bettwäsche, ein weiterer Satz Handtücher, Kuscheldecken, Bügeleisen mit Bügelbrett und einem old but gold Vorwerk Staubsauger im geräumigen Schlafzimmerschrank.

Im Wohnzimmer lädt die Doppel-CD ‘Sommer Hits aus 2000’ in der Stereoanlage gleich mal zu einer Tanzeinlage ein *lach*.  Die Möglichkeit für Netflix in der Glotze und die Schublade voller Gesellschaftsspiele im hölzernen Sekretär laden ebenzu dazu ein, auch die langen Winternächte gemütlich zu gestalten.

Oh und hatte ich die Fußbodenheizung in Küche & Bad, sowie die Badewanne im Badezimmer erwähnt???

Über den Einrichtungsgeschmack für den Alltag kann man sich ja streiten, aber prinizipiell könnte und wöllte ich hier sofort einziehen.

Vom Balkon aus hat man einen tollen Blick über Mittenwald, geradeaus der Kranzberg (1397m) und links davon die imposanten Wettersteinspitzen (2298m), vor der Haustür warten schon die Spitzen des Karwendels (bis zu 2749m).

Ähnlich wie in Oberstdorf gibt es auch hier eine Gästekarte. Für 1,80€ pro Person / pro Nacht (Reisezeit November – Preise können evtl. variieren) bekommt man die Alpenwelt Card. Die Karten sind personalisiert und bieten gewisse Vorzüge, so kann man zB. mit dem Sessellift auf den Kranzberg oder zum ermäßigten Preis das Alpspitz Wellenbad in Garmisch Partenkirchen nutzen.

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Tag 2 Wanderspaziergang zum Ferchensee

Wer unsere Story auf Instagram gesehen hat weiß schon, dass ich meine Wanderstöcke zu Hause vergessen habe. Hatte ich doch beim letzten Wanderurlaub am Nebelhorn überlegt, ob es nicht mit Stöcken einfacher sei. Mir wurde tatsächlich von einer lieben Wanderfreundin empfohlen, es mal mit Stöcken zu versuchen. Gut – wie erwähnt, die lagen jetzt zu Hause….

Was auch noch zu Hause liegt, bzw. total unnütz rum steht sind die Wanderschuhe vom Herrchen …

Gut, da fängt der Urlaub ja schon mal gut an – nicht. Zum allem Überfluss sind ja auch (ich hatte es oben schon kurz angerissen) überall Betriebsferien bevor die Skisaison los geht und somit haben nicht nur einige Gastronomien dicht, sondern auch die Bergbahn zum Karwendel steht still.

War doch unser schlauer Plan nach dem letzten Höhenkoller am Nebelhorn folgender gewesen: Tag 1 – entspannt mit der Gondel auf die 2000er, dort ein paar Stunden verbringen und wieder entspannt herunterfahren. Tag 2 – nun hätte man es zu Fuß hochwagen können, ohne dass Herrchen wieder von den fiesen Kopfschmerzen ausgenockt wird. Ein toller Plan, ja, wenn denn auch die Bahn fahren würde. Nun standen auch noch seine Wanderschuhe so ganz unnütz im heimischen Flur herum und wir entschieden, dass wir den ersten Ausflug ganz entspannt angehen lassen. Eine Spazierwanderung zum See mit einem geringen Höhenunterschied.

Weil es toll ist, im Urlaub nicht auf das Auto angewiesen zu sein, gucke ich ja immer vorher schon, wie und wo unserer Unterkunft liegt. Am Dienstagmorgen waren wir also ersteinmal zur ersten Gassirunde auf dem Weg zum Supermarkt um etwas für das Frühstück zu besorgen. Der Ortskern von Mittenwald liegt ca 20 Fußminuten von der Ferienwohnung entfernt. Hier findet man alles was das Urlauberherz begehrt. Ein REWE, Netto, Penny, Tedi und ein NKD bieten alles Wichtige auf kurzer Entfernung. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es dann wieder Richtung Ortskern, denn dort startete unser Spaziergang zum Ferchensee.

Und schon 5 Meter nach dem Ortsausgang war mir klar; oha – das wird kein Spaziergang. Es ging hoch, berghoch. Und das auch noch recht steil. Aber schön, echt schön. Entlang des Lainbach erklommen wir die Wege und Stufen zum ersten tollen Punkt, dem Lainbach Wasserfall. Auf der einen Seite das Wasser, auf der anderen die schroffen Felsen und moosbedeckten Hänge. Hinter uns Mittenwald, immer kleiner und das Kawendelgebirge immer imposanter werdend.

Ich war schon wieder im Alpen-Modus. Es ging über einfache Wege, mal hoch mal runter, durch idyilische Wälder zum zweiten Postkarten-Motiv.

Über weite Wiesen liefen wir dem Lautersee entgegen. Das massive Karwendelgebirge zu unserer linken, die schroffen und teils schneebedeckten Spitzen des Wettersteingebirges vor uns.

Wir umrundeten den See zur Hälfte und gelangten auf eine Forststraße. Es ging wieder bergauf und plötzlich hatten wir den wunderschönen See inmitten der mächtigen Berge unter uns.

Hier musste natürlich eine Pause eingelegt und kräftig fotografiert werden.

Wir kamen anschließend wieder in den märchenhaften Tannen- und Kiefernwald. Auf den Gräsern der Felder lagen noch einzelne Schneefelder und es ging wieder leicht bergab und bergauf.

Der Ferchensee wartete dann, ähnlich wie der Lautersee, hinter einer Weggabelung plötzlich auf uns.

Es war ein atemberaubendes Bild und auf den Photos kommt es nicht annährend so rüber wie es wirklich war. Die glatte Oberfläche des Sees spiegelte die massiven Bergspitzen und auch deren Hänge so exakt wieder als sei es einfach via Photoshop gespiegelt worden. Klar, das Wetter hätte noch besser sein können, aber Hätte Hätte, es war ja schließlich schon Ende November!

Wir umrundeten den See, das Wasser war glasklar, es gab keine Flugzeuge, kein Kindergeschrei, keine fremden Stimmen – kurzum: es war unglaublich still & schön!

Ich war fasziniert von der Landschaft, den Bergen, vom glasklaren Wasser und schoss circa 100 Bilder 😀

Da die Wandersaison bereits Ende Oktober geendet hat, war auch die Wirtschaft am Ferchensee schon in Betriebsferien. Zum Glück, kann man fast sagen, denn sonst hätten wir wohl nicht diese Ruhe & Einsamkeit genießen können.

Wir folgten den Schildern zurück nach Mittenwald. Die Beschilderung ist hier sehr gut. Sie ist nicht super gut, aber wir hatten auch schon Wege auf denen wir förmlich nach Markierungen suchen mussten. Da wir nicht den gleichen Weg zurücklaufen wollten entschieden wir uns, uns nach der Umrundung des Ferchensee rechts zu halten um nicht noch einmal am Lauter See vorbei zu müssen. Es ging ein Stück berauf, dann wieder bergab. Durch schmale Pfade zwischen hohen Nadelbäumen hindurch. Ich musste, ich wollte unbedingt einen Abstecher zur Ederkanzel machen, da ich mir von dem Namen eine tolle Aussicht versprach. Dem war leider nicht so, es ist lediglich ein Berggasthof und der Abstieg auf den schmalen, steilen Waldpfaden war ja so gar nichts für mich – denn, Fun Fact: ich hasse Bergab 🙂

Hier fiel mir auch schmerzlich wieder ein, dass ich ja die Wanderstöcke auch zu Hause vergessen hatte.

Wir kamen wieder nach Mittenwald, durchquerten den Ort und waren nach 14,7km, knapp 4 Stunden und auch ca. 400 zurückgeleten Höhenmetern hungrig wieder zurück an der Ferienwohnung.

Herrchen hat in seinen Sneakern den recht alpinen Spaziergang sehr gut gemeistert, morgen ‘darf’ ich aber alleine kraxeln gehen 🙂

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Tag 3 Dann wollen wir mal den Karwendel besteigen

Wie angekündigt, blieb das Herrchen zu Hause und ich konnte mir eine schöne Wander-Kletterroute aussuchen. Das Wetter versprach zwar keinen blauen Himmel, aber es sollte nicht regnen, also machten ich mich mit den Hunden auf den Weg den Karwendel zu besteigen. Erstes Ziel war auf jeden Fall die Mittenwalder Hütte und dann: ‘mal schauen’ ….

Es ging fast direkt oberhalb unserer Ferienwohnung unter der Bundesstraße in Richtung Wald. Ein kurzes Stück Forstweg und dann schöööön einen Schotterweg berghoch.

Ich gehe wirklich gerne berghoch, die Serpentinen waren mal steiler und kürzer, mal länger und flacher. Alles in Allem machten wir aber mit jedem Schritt Höhenmeter gut. Es war beeindruckend zu sehen, wie Mittenwald unter uns immer kleiner und die Gebirgswände immer greifbarer wurden.

Der stete Weg berghoch war zwar etwas anstrengend, aber es ist lohnenswert. Bei der Hälfte etwa, kam mir der erste Mensch entgegen 😉 Ein fleißiger junger Mann, der zuvor schon hoch und nun wieder hinab ins Tal stiefelte.

Der Aufstieg zur Mittenwalder Hütte war mit 2:15h ausgezeichnet, voller Alpenadrenalin waren die Wanderterrier und ich nach 1:23h oben ;D #stolzwiebolle

Hier oben machte sich gerade eine kleine Gruppe Soldaten wieder auf den Weg nach unten. Mittenwald hat wohl eine recht bekannte Bundeswehrkaserne und die Alpen sind allgemein ein beliebtes Übungsgelände.

Das Wetter wurde allerdings schlechter und es sah danach auch, dass wir tatsächlich noch Regen zu erwarten hätten. Der Aufstieg zur Karwendelspitze war zwar ‘nur’ mit knapp 3 Stunden ausgezeichnet, aber da wir nicht mit der Gondel wieder herunter fahren konnten, war mir der Weg weiter hoch wetterbedingt etwas unsicher – da ich ja außerdem auch noch alleine mit den Hunden unterwegs war. Ich entschloss also, es zum Lindenkopf zu versuchen (Wegstrecke ca. 1Std).

Der Weg wurde ein Pfad – wir marschierten auf gefühlt 10cm, links der Berg, rechts der Abgrund. Die Hunde liefen unglaublich brav direkt vor oder hinter mir. Ein Ausreißer, ein falscher Tritt und einer von uns wäre wohl abgestürzt …. an einer etwas breiteren Stelle machte ich kurz halt um Dr. Google zu befragen, was uns wohl noch bevorstehen würde. Und … es verhieß nichts gutes. Der Weg zum Lindenkopf war a) eine Sackgasse und b) später ein Klettersteig mit Leiter. Dafür fehlte mir das Können, die Ausrüstung und die 2. Person für den 2. Hund. Denn zwei Hunde über einen Klettersteig zu transportieren hört sich jetzt nicht nach Urlaub an.

So drehten wir also auf 1588 Metern wieder um, machten eine kurze Pause an der Mittenwalder Hütte bis es anfing zu regnen. Die Hunde bekamen ihr Pullis an (ich wollte nicht, dass sie bei der ganzen Anstrengung auch noch nass werden und frieren müssen). Dem kleinen Jasper fielen bei unserer Pause nämlich schon die Augen zu und auf dem Weg nach unten (der übrigens echt ätzend war) fragte er in seiner gewohnten Art ob ich ihm nicht kurz behilflich sein könnte.

Wir hatten in unserer Instagram-Story am Mittwoch schon eine Video hochgeladen und ich wurde gefragt, wie ein kleiner Terrier der sonst nicht kaputt zu kriegen sei, mir begreiflich machen konnte, das er nicht mehr kann. Die Frage ist so einfach und kompliziert zugleich. Zum Einen sind der Jasper und ich nun schon seit über 9 Jahren ein Team und oft genügt ein Blick und ich weiß ganz genau, was er gerade denkt. Zum Anderen ist es natürlich seine Kommunikation. Er mag viele Sache total gerne, aber es gibt auch eben so Vieles war er nicht mag. Zum Beispiel mag er nicht hoch genommen und getragen werden. Beim Abstieg mussten wir recht hohe Absätze überwinden, an einer Kurve blieb er stehen, ich lief den Absatz hinunter und hatte den kleinen Terrier sozusagen auf Kniehöhe. Ich sprach ihn an und er kam mit den Vorderpfoten mein Bein hoch. Da wusste ich, er will was – er will hoch. Ich hab ihn mir dann um den Hals gelegt und als ich die entspannt herunterbaumelnden Hinterläufe links neben mir sah, wusste ich: das gefällt ihm. Das Tragen auf dem Nacken hatten wir vor 3 Jahren spontan ‘üben’ müssen als wir im Harz (auch Ende November) plötzlich von einer Schneelandschaft in eine Eislandschaft kamen und ich genau wusste, dieser kalte und scharfe Untergrund ist nichts für kleine Terrierfüße.

Er bekam also ein paar Meter die Gelegenheit sich auszuruhen und ich war mal wieder froh einen Jack Russell und keinen Rottweiler gewählt zu haben 😉

Nach ca. 3.30h kamen wir wieder zu Hause an, fast zeitgleich mit dem Herrchen, der den Vormittag in der Sauna verbracht hatte.

Ich möchte auf jeden Fall wieder kommen und diesmal den Aufstieg bis zur westlichen Karwendelspitze (2385m) meistern.

Nach einer Pause zu Hause fuhren wir am Abend noch nach Innsbruck, schlenderten etwas durch die Innenstadt und genossen Glühwein und Hundewaffeln auf dem Weihnachtsmarkt.

Good to know: Trotz Grenzgebiet mussten wir an der Tankstelle eine Vignette für 9,20€ kaufen (Gültigkeit 10 Tage) um auf den österreichischen Straßen fahren zu dürfen.

Nach einem kleinen Stadtbummel fanden wir auf dem seit Mitte November eröffnetem Weihnachtsmarkt den tollsten und (für uns) ersten Weihnachtsstand für Hundeleckerchen und konnten gleich eine Probe der frisch gebackenen Waffeln abstauben.

Schnuffi & Keksi sind exklusiv auf dem Innsbrucker Weihnachtsmarkt sowie auf ein paar Hundemessen vetreten. Wer also hier auf den Weihnachtsmarkt kommt: bringt die Hunde mit oder nehmt hier auf jeden Fall ein paar gute Sachen mit 😉

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Tag 4 Eine kleine feine Wanderroute die uns an unsere Grenzen brachte

Da das Herrchen, wie schon erwähnt gestern Pause hatte, war er heute dran sich eine Route auszusuchen. Eigentlich wollte ich ganz entspannt von der Ferienwohnung aus auf den Kranzberg (1397m) wandern, der Hausberg von Mittenwald sozusagen. Es gibt ein paar ausgewiesene Routen zum Hohen Kranzberg mit einer Laufdauer von ca. 4 Stunden (auf der Merkliste für den nächsten Besuch).

Das Herrchen hatte sich aber eine Route in einem anderen Gebirge ausgesucht und so ging es am Donnerstag Vormittag in Richtung Unterammergau.

Der Parkplatz Pürschling am Ortsrand von Unterammergau war unser Startpunkt. Ziel der Tour sollte der Teufelstättkopf (1758m) sein.

Die Tourenbeschreibung ‘warnte’ uns schon vor: zuerst geht es über die Forststraße ca 1 1/2h stetig bergauf, die letzten 60 Minuten sollten es dann aber in sich haben …. naja, soll ja auch kein Spaziergang werden, dachte ich mir.

Dass es weitaus mehr als nur ein Spaziergag war und das diese Tour auch hätte böse enden können, das möchte ich euch jetzt erzählen. Hätte Hätte Fahrradkette …. ich denke mal, jeder geübte Alpenwanderer oder -Kletterer wird gleich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen (oder auch nicht ??!!) aber wir machten hier das erste Mal die Erfahrung, was es bedeutet ‘in den Bergen’ zu sein und das hier die Gesetzte ganz anders aussehen, als unten im Tal. Schon mal vorweg: es war für diesen Tag eine Niederschlagswahrscheinlichkeit von gerade mal 20% gemeldet …. Waldwanderer wie wir sahen das als Nix an ….

Aber nun möchte ich endlich einmal anfangen. Denn der Anfang war super schön. Man hat die Wahl, gleich von vornherein der Forststraße zu folgen oder einen Abstecher in die Schleifmühlklamm zu machen. Ich bin eh ein Fan von Klammen …. Klamm´s ?? Mh ..???? Also ich mag das 😉

Hunde mit großen Füßen und Trittsicherheit haben evtl. keine Probleme mit den Eisenstegen, unsere kleinen Terrier haben wir alle paar Meter einfach drüber getragen. Der überwiegende Teil des Weges ist ein normaler Waldweg und gut zu meistern, es geht halt stetig bergauf *juhu*.

Der Forstweg kam mir danach schon recht langweilig vor. In großen Serpentinen schlängelte er sich durch den Wald. Ein Speichersee kurz vor der Abzweigung war nach noch ein kleines Highlight bevor die Serpentinen enger wurden und wir ca. 40 Minuten später auf einer wunderschönen Alm herauskamen. Da ab hier nun die letzten ‘schrecklichen 60 Minuten’ des Weges losgehen sollten, entschieden wir uns für eine kleine Pause.

Wir konnten die riesigen Gebirgsketten schon in der Ferne sehen, die wir später auf dem Gipfel in ihrer vollen Panoramapracht zu erleben hofften.

Nach der Pause verabschiedeten wir uns vom Forstweg und stiegen in kleinen Pfaden auf engen Serpentinen den Gebirgskamm empor. Jetzt musste es natürlich anfangen zu regnen …. Aber ein echter Wanderer, der wandert trotzdem und wir stiegen Meter um Meter durch den Wald nach oben.

Es regnete stärker und wurde auch etwas kälter — Moment, das war kein Regen mehr, das war Schnee! Irgendwie ja schon geil!

Wir kamen aus dem Wald und fanden uns mitten am Berg, nee, mitten auf dem Berg wieder und versuchten den Weg zu finden. Da kam uns von oben ein Pärchen mit einem wunderhübschen Collie entgegen. Wir kamen kurz ins Gespräch und erfuhren, sie wollten die gleiche Route gehen wie wir. Sie sind bis kurz vor den Gipfel gekommen, welcher übrigens keine 20 Meter mehr entfernt war, sind aber wieder umgedreht, da sie der Meinung waren der weitere Weg wäre nicht gut auszumachen. Sie stiegen also wieder ab und wir versuchten zu schaffen, was sie nicht geschafft haben —- und scheiterten.

Da, wo eben noch das Gipfelkreuz greifbar nahe war, war nun nichts mehr. Der Wind wurde zu einem Sturm und mit dem Schnee wurde daraus ein Schneesturm. Meine Brille voll mit Schnee- bzw. Regentropfen, ich sah also im doppelten Sinne nichts mehr.

Wir standen mitten auf dem Kamm, ein halber Meter links von uns: Abgrund. Ein halber Meter rechts von uns: Abgrund. Ich nahm die Hunde an die Leine, die versuchten den Windböen irgendwie auszuweichen, und stülpte die Kapuze über. Es war kalt und es war wahnsinnig. Wahnsinnig ergreifend. Wahnsinnig beängstigend. Wahnsinnig aufregend.

Wir beschlossen, dass es zu Wahnsinnig ist weiter zu gehen und ergaben uns Frau Holle und drehten wieder um. Der eigentlich recht kurze Abstieg bis zum Wald kam uns ewig lang vor und der Schnee hatte den Pfad schon komplett bedeckt, so dass wir uns wirklich Zentimeter um Zentimeter runter arbeiten mussten.

 

Was wir in 30 Minuten mühselig nach oben gekraxelt sind, schlichen wir unglaublich anstrengend 50 Minuten lang nach bergab.

Kaum im Wald, und auch in einer wesentlich geringeren Höhenlage (ca. 1600m) angekommen, ließ der Schneesturm nach und wir konnten kurz verschnaufen.

Ich versuchte gerade auf dem matschigen Boden nicht auszurutschen während ich mir ein Taschentuch unter meine tropfende Nase hielt, als ich in den Bäumen rechts von uns plötzlich ein Geräusch hörte. Ich guckte in die Wipfel neben uns und erwartete, dass jeden Moment ein Ast abbrechen würde oder etwas Ähnliches geschah. Das tat es aber nicht – stattdessen kamen zwei Gämsen aus dem Wald gesprungen.

 

Bonnie stand direkt neben mir, Jasper circa 5 Meter weiter unten. Auch im Nachhinein hab ich immer noch diese vollkommen irre Bild vor Augen: Eine der Gämsen rast auf Jasper zu, der wie zur Salzsäule erstarrt da steht. Bonnie rennt kläffend der zweiten Gämse entgegen, diese macht kehrt und verschwindet wieder da wo sie hergekommen war. Bonnie bleibt noch am Abhang stehen und checkt ob sie wirklich weg ist. Zur gleichen Zeit rennt die erste Gämse, wie schon erwähnt, direkt auf den Jasper zu um dann nicht mal einen  halber Meter neben ihm den Abhang hinunter in den tieferen Wald zu nehmen. Jasper setzt an und rennt hinterher. Wir schreien ihm nach und hechten ein Stück den Weg hinab … er kam nicht weit *puh* … recht verdutzt stand er am Hang und guckte uns nur an.

Ich musste mich kurz setzen …. jetzt brauchte ich mal 3 Sekunden zum durchatmen. Nicht mal der Schneesturm da oben eben hatte mich so aus dem Konzept gebracht wie diese beide Irren eben. Und damit meine ich die irren Gämsen und nicht die Terrier *lach*. Während Bonnie sich ‘mutig’ allem entgegen gestellt hat, war Jasper, der kleine Jagdterrier, nicht einem wilden Tier in einer wild-unwirklichen Umgebung hinterher gejagt. Es gab eine Runde Leckerchen für alle und ich wünschte mir einen Bernadiner mit Schnapsflasche am Halsband herbei.

Wir quälten uns die letzten Meter bis zur Forststraße hinunter. Hier sah es noch nicht mal danach aus, als hätte es hier unten überhaupt geregnet … und oben standen wir in einem wahrlichen Schneesturm. Gut, es bestand auch der kleine feine Unterschied von ca. 400 Höhenmetern 😉

Ja, die Berge und das Wetter. Ich weiß nun durchaus, was es heißt, das Wetter in den Bergen nicht zu unterschätzen! Auf dem (nervigen) Weg nach unten sprachen wir noch viel vom ‘Hätte’ und ‘Was wäre wenn’ und kamen zu dem Schluss, dass uns zwar der Berg besiegt hat, wir aber nochmal wieder kommen und diesmal ihn besiegen wollen. Gut, dann auf jeden Fall im Frühjahr oder Sommer….

Wir kamen nach 5 Stunden und 10 Kilometern wieder am Auto an. Nass, kalt und hungrig. Wie gut, dass wir am Abend auf jeden Fall den besten Mexikaner und ganz Bayern besuchen wollten.

Wir waren bei einem Pfronten-Urlaub schon einmal im El Puente gewesen und wenn man schon mal in der Nähe ist, war es ein Muss für mich wieder die vegetarische Fajitas zu probieren.

Den Abend über ließen wir immer wieder den Tag Revue passieren und kamen zu dem Schluss, dass es auf jeden Fall eine absolut wahnsinnige Geschichte ist, über die wir sicher noch lange reden werden und das wir noch das die ein oder andere Kleinigkeit in unseren Wanderrucksack packen müssen #sicheristsicher 😉

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Tag 5 Abreise & Zusammenfassung

Abschließend war dieser Urlaub mal wieder viel zu kurz. Aber das haben so Kurzurlaube ja an sich und ich mag es eher, 5 mal im jähr für ein langes Wochenende weg zu fahren, als im Sommer 3 Wochen am Stück am gleichen Ort zu verbringen.

Aber: wir kommen definitiv nächstes Jahr wieder zum wundervollen Karwendel. Erstens, steht meine Besteigung der Karwendelspitze noch an. Zweitens können wir das nicht so stehen lassen und wollen beim nächsten Mal über den Teufelstättkopf hinaus kommen. Und drittens: es gibt noch so viele schöne Ecken und Felsen zu entdecken.

Wer schon mal den Sternenhimmel in den Bergen sehen durfte weiß auch wovon ich spreche, wenn ich sage das ich unbedingt im Sommer, bei milden Temperaturen draußen sitzen und einfach nur ‘Sterne glotzen’ möchte.

Da wir so sehr von der Ferienwohnung Arzgrube begeistert waren würden wir diese auf jeden Fall wieder wählen.

Zusammengefasst bekommt dieser Urlaub von uns 5 von 5 Pfoten, denn es war einfach nur Traumhaft.

 

 

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Wir wurden und wir werden nicht dafür bezahlt, oben genannte Orte, Personen oder Dinge zu benennen, zu markieren oder zu empfehlen.

 

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