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Ein Traum wurde wahr – Tripp in´s Oberallgäu

Hallo liebe Wanderfreunde.

Wir waren im Urlaub. Wir waren im schönen Bayern. Genauer gesagt im wunderschönen Oberallgäu und wir haben nicht nur ganz wunderbare Erinnerungen sondern auch ganz tolle Geschichten und Bilder mitgebracht.

 

Für Frauchen wurde ein Traum wahr, wir sind an unsere Grenzen gegangen und hätten fast eine Nacht auf knapp 2000 Meter Höhe verbracht. Dies und noch viel mehr möchten wir nun hier in den folgenden Zeilen erzählen.

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Tag 1 – Anreise & Unterkunft

Unsere Unterkunft, eine Ferienwohnung, mieteten wir wieder einmal schnell & unproblematisch über booking.com. Das Hotel Viktoria in Rubi bietet neben seinem 4* Hotel auch Ferienwohnungen an, Hunde sind willkommen, das Personal sehr freundlich und auch als Gast der Ferienwohnung kann man den Spa-Bereich des Hotels nutzen. Ein weiteres tolles Plus erwähnen wir später noch.

Rubi ist ein kleines, idyllisch schön gelegenes Dorf (ca 805m) am Fuße des Rubihorn (1957m) nahe bei Oberstdorf. Der Ort liegt direkt zwischen Berg und dem Gebirgsbach Iller. Auch auf der Nicht-Berg-Seite gibt es unzählig schöne Wanderwege und auch Fahrradwege.

Am Tag unserer Anreise hat es leider geregnet und wir konnten noch nicht die volle Pracht des Oberallgäu genießen. Dennoch gibt es an jeder Ecke etwas Schönes zu entdecken und wir lieben es, die Kleinigkeiten und Ecken & Kanten einzufangen.

Wie, so oft und eigentlich fast überall, gibt es auch an unserer Ferienwohnung gute und schlechte Eindrücke. Die ‘Schlechten’ allerdings sind jetzt nicht gravierend und wir haben unsere Anmerkungen schon beim Hotel hinterlassen. So war die Rezeptionistion am Tag unserer Anreise sehr freundlich zu uns, obwohl sie kurz zuvor von dem Gast vor uns in einem sehr abfälligen Ton angemault worden ist. Allerdings war dann bei unserem Bezug der Wohnung der Kühlschrank noch ausgestellt. Für uns ist dies nicht nur eine Selbstverständlichkeit sondern auch eine Notwendigkeit da wir unser rohes, tiefgefrorenes Hundefutter nach der Anreise immer recht schnell wieder gefrieren müssen. Die Wohnung an sich ist klein aber fein und sauber und zweckmäßig aber liebevoll eingerichtet.

 

Was ich persönlich an Ferienwohnungen besonders schätze sind die alltäglichen Kleinigkeiten. Wenn man mit 2 Erwachsenen, 2 Hunden, genug Futter und anderen Leckereien und dem üblichen Gepäck reist, muss man sowieso schon an viel denken und mitschleppen. Eine eingerichtete Küche ist für mich selbstverständlich. Dass es aber Salz & Pfeffer, Kaffeepulver, Spüli & Geschirrtücher, Müllbeutel und praktische Küchenhelfer in der Küche gibt, ist nicht überall selbstverständlich.

 

Die Küche könnte für leidenschaftliche Köche gerne etwas größer sein, aber eine Fußbodenheizung in der Alpenregion ist einfach unschlagbar. Und der Blick vom eigenen Balkon …. Bergblick mit tierischem i-Tüpfelchen … so stelle ich mir Urlaub in den Alpen vor.

Da wir am Montag ganz früh losgefahren sind um dem Stau zu entkommen, konnten wir noch vor dem Bezug unserer Wohnung eine Runde drehen. Ausgangspunkt war der öffentliche Parkplatz an der Landstraße zwischen Rubi und Schöllang. Typisch Urlaubsregion kostet der Parkplatz natürlich etwas Geld. Die knapp 4€ kann man passend in Bar am Automaten oder praktisch per SMS bzw. App zahlen und dafür dann auch einen ganzen Tag dort stehen bleiben 😉

 

Wir wollten eigentlich nur eine kleine Runde drehen, die Hinweisschilder zu den Wanderwegen und interessanten Punkten verleiteten uns allerdings zu einer größeren Runde und letztendlich saßen wir am ersten Abend mit 31402 Schritten auf der Smartwatch in unserer Ferienwohnung.

 

Wir konnten Alpenpanorama schnuppern, genau wie Kuhfladen auf der Weide, die unser Wanderweg kreuzte. Entlang des schön angelegtem Eybach nahm Jasper mutig aber unfreiwillig ein Ganzkörperbad. An den Hinanger Wasserfällen drehten wir wieder um und waren nach insgesamt 3 Stunden ( ….’nur eine kleine Tour’…) hungrig & durstig wieder am Auto und auch froh, dass wir schon um 14h statt erst um 16h in unsere Wohnung ziehen konnten.

In Oberstdorf, circa 5 Autominuten von Rubi entfernt, konnten wir im Edeka, Rewe oder Norma noch unsere Lebensmittelvorräte für die kommenden Tage aufstocken.

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Tag 2 – Auf zum Nebelhorn

Unser erster richtiger Urlaubstag sollte unsere schönste und aufregendste Erinnerung an diesen Urlaub werden. Da wir gerne im Urlaub auf das Auto verzichten und auch schon einen guten Tipp bezüglich eines Wanderziels bekommen hatten, stand der grobe Plan für den Tag: Unser Tipp war ein Besuch des Geisalpsee auf 1509m. Von dort aus wollten wir zur Bergbahnstation Höfatsblick auf 1927m weiterwandern und dann ganz entspannt mit der Gondel wieder herunterfahren fahren.

Wir starteten unsere Wanderung also direkt vor der Haustür (800m) und folgten der Landtstraße für ca. 50 Meter um dann ab dem Wanderparkplatz der Beschilderung zur Geisalpe (1165m) zu folgen.

Es ging, natürlich, bergauf. Zuerst durch den Wald. Auf einem geteerten Forstweg kamen wir zum Gasthaus Geisalpe. Die Aussicht auf die schöne Kulisse und die hohen Berge ließen mich förmlich die Wege hochfliegen.

Die Alpe ist ein wunderbarer und uriger Rastpunkt, mitten in den Bergen. Kühe und Ziegen stehen drumherum. Auf der einen Seite hat man den Blick ins Tal, auf der anderen Seite die wahnsinnige Kulisse des Rubihorns. Da wir noch nicht so lange unterwegs waren brauchten wir noch keine Rast.

Als wir dem Wanderweg weiter folgten und auf einen Weg voller Wurzeln kamen war ich endgültig wie in Trance. Klar, der Blick nach vorne, nach oben ließ die Anstrengung erahnen die noch vor uns liegen würde, aber der Blick zurück ließ mich nur noch impulsiver werden. Wir hatten bereits 400 Höhenmeter zurückgelegt und der Blick ins Tal wurde mir nicht langweilig.

Der Nebel verzog sich langsam, wir kamen in Höhen in denen (schon) sie Sonne schien, während man das Tal unter uns noch durch einen Nebelschleier sah. Das imposante Rubihorn mit 1975 Metern war unser steter Begleiter.

In unserer Instastory (Highlight ‘Nebelhorn/Allgäu’) haben wir auch kurze Videos veröffentlicht, die wohl jedem Bergliebhaber dieses ganz besondere & bestimmte Bergweh auf die Seele legt. Du siehst, an der Art wie ich schreibe: ich war so begeistert und emotional gepackt von diesem Urlaub – ich kann nicht anders, ich MUSS schwärmen!

Wie ließen den Wald und die bemosten Ebenen langsam hinter (bzw. unter uns) und es wurde zusehends alpiner. Ich muss zugeben, das stetige Bergauf auf dem teils losen Geröll war mitunter wirklich anstrengend für die Beine. An jeder dritten Ecke hätte ich allerdings anhalten und ins Tal blicken können. Gut, hab ich dann auch an jeder fünften Ecke gemacht 😉 und an jeder achten Ecke musste ein Photo oder Video mit dem Smartphone gemacht werden. Ich fühlte mich wie im Traum. Auch auf die Gefahr hin, dass geübte Alpinisten und Menschen die schon oft in den Genuss des echten, wahren, alpinen Wanderns kamen jetzt denken ich würde maßlos übertreiben: es war ein absoluter Traum für mich einmal einen Berg vom Tal bis zur Spitze zu erwandern. Im Grünen zu starten und dort hinauf zu kraxeln wo sonst noch keiner war – gut, das trifft jetzt beim Rubihorn bzw. Nebelhorn nicht ganz zu, aber ich denke der Sinn dahinter war verständlich.

Ich hatte es schon erwähnt, durch meine Enthusiasmus legte ich wohl so ein Tempo vor, dass wir unser Herrchen wohl etwas überfordert hatten. Der arme Mensch bekam nämlich, je höher es ging, Kopfschmerzen. Wir haben das anschließend auch nachgelesen und wohl die Höhenmeter etwas überschätzt – um ehrlich zu sein, hatte ich es ziemlich überschätzt und mir keine Gedanken darüber gemacht, was es bedeutet in 2 Stunden circa 500 Höhenmeter zu erklimmen.

Wir legten also eine kurze Rast in circa 1400 Meter Höhe ein und ich konnte endlich eine langgehegte Fotoidee mit den Wuffs umsetzten. Wir waren übrigens unwissentlich circa 10 Minuten und keine 100 Höhenmeter von unserem ersten Hauptziel entfernt….

Nach einer Stärkung mit belegten Brötchen, Wasser und einer Kopfschmerztablette für´s Herrchen ging es weiter und kurz darauf kamen wir am wunderschön & idyllischem Geisalpsee auf 1509 Metern an.

Das Rubihorn direkt vor uns, das Tal immer noch Nebelverhangen neben uns. Natürlich blieben wir einen Moment und genossen die wunderbare Umgebung und den Erfolg, denn immerhin hatten wir bisher schon 700 Höhenmeter zurückgelegt.

Von hier aus hat man die Wahl ob man das Rubihorn erklimmen oder den Aufstieg zum Nebelhorn in Angriff nehmen möchte. Da wir uns dafür entschieden hatten, die Anstrengung des Hochkraxeln auf uns zu nehmen aber entspannt mit der Gondel herunterfahren wollten kam nur der Aufstieg zum Nebelhorn in Frage. Natürlich, es ging wieder bergauf. Sehr steil teilweise und sehr anstrengend, besonders für die Oberschenkel meiner Meinung nach. Manche Absätze auf dem Weg waren so hoch, das man sich förmlich nach oben drücken musste. Hier fiel mir das erste Mal auf, das fast 90% der Wanderer mit Stöcken unterwegs waren und mir kam die Frage ob es denn mit Stöcken einfacher wäre. Da wir aber nach vorne hin immer nur den Berg vor uns hatten und ich unbedingt wissen wollte, welche Aussicht mich auf dem nächsten Absatz erwarten würde, war ich hier wieder ein paar Meter voraus und meine Abenteuerlust schob mich förmlich den Berg hinauf.

Die Hunde meisterten die Strecke übrigens überaus hervorragend und folgten brav den Wegen so dass ich keine Angst hatte sie unangeleint laufen zu lassen. Uns kamen interessanterweise mehr Menschen entgegen, als mit uns aufstiegen. Ich fand die Idee, mit der Gondel hoch zu fahren und dann herunter zu laufen irgendwie sehr reizlos, aber vielleicht fehlt mir da auch die richtige bzw. passende Intension…..

Wir meisterten den Aufstieg vom Geisalpsee (1509m) zum oberen Geisalpsee (1769m) und fanden hier noch weniger Publikumsverkehr als wir eh schon hatten. Ich persönlich fand unsere Reisezeit Mitte/Ende Oktober recht perfekt. Bei über 30 Grad im Sommer und mit vermutlich noch 100 anderen Touristen hätte diese Region vielleicht nicht DEN Charme, den sie mir gezeigt hat.

Wir mussten eine weitere Rast einlegend, da Herrchens Kopf leider nicht besser wurde. Die Entscheidung wieder den Abstieg anzutreten war für ihn allerdings keine Option. An dieser Stelle möchte ich, das Frauchen, meinen Mann über alle Maßen loben, dass er so viel mit mir erlebt von dem ich manchmal das Gefühl habe, dass es ihn nicht so begeistert wie es mich begeistert. Mein lieber Mann, ich liebe Dich über alle, das weißt du sowieso, ich bin so unglaublich stolz auf unsere Besteigung des Nebelhorns. Auch wenn es leider für Dich nicht einfach war, Du hast es mitgemacht, Du hast durchgehalten und wir haben eine wunderbare Erinnerung mitgenommen. Wir hätten beinahe die Nacht dort oben verbringen müssen – dazu komme ich später noch – gerade Du hast so viel von Dir gegeben während dieser Wanderung, während ich voller Adrenalin beflügelt förmlich dort hochgeschwebt bin. Ich danke dir für alles was Du bist und für alles was du mit mir und auch aus mir gemacht hast !

Nach dieser Liebeserklärung an den besten Mann der Welt und einer Pause nahmen wir also den weiteren Aufstieg in Angriff. Später, viel später, sinnierten wir noch darüber ob wir nicht doch hätten umkehren sollen. Denn der folgende Weg führte zwar durch eine atemberaubende Landschaft direkt am Nebelhorn vorbei, aber irgendwie leider nicht gerade auf unser Ziel zu und eine Aussage eines entgegen kommenden Wanderers lässt uns bis heute zweifeln….

Die Wege wurden wieder bewachsener und dort begriff ich, was ich im Wanderführer vom Hotel unter ‘teils ausgesetzte Wege’ zu verstehen hatte. Manche Wegmarkierung, ein roter Fleck Farbe an einen Fels oder Stein gesprüht, mussten wir suchen. Und ich hatte schon kurz gedacht wir seien falsch, bis wir ein Hinweisschild mit unserem Ziel, die Station Höfatsblick, fanden.

 Der Wanderer von dem ich vorhin schon sprach erzählte uns übrigens, das wir noch einen kleinen / ordentlichen Anstieg vor uns hätten “….erstmal gehts bergab, aber dann wird’s noch mal heftig. Sind das Kletterhunde? Kurz vor Schluss ist ein recht heftiges Stück mit Drahtseilen zum sichern, aber wir haben das auch gemeistert” und klopfte seiner kleinen (etwas moppelligen) Tochter stolz auf die Schulter. Gut, das es soooo alpin werden würde hatte ich jetzt nicht im Sinn, aber ich hatte beiden extra ein Geschirr angezogen das sie im Falle eines Falles besser zu packen wären.

Und ich muss es erneut erwähnen, dort oben in dieser so realen und doch unwirklichen Landschaft zu stehen war für mich ein wahrgewordener Traum. Vor uns bzw. neben uns die Gebirgskette des Nebelhorn. Hinter bzw. unter uns das Tal aus dem wir kamen, aus dem wir mit eigenen Beinen nun schon fast 1000 Höhenmeter hinaufgestiegen waren.

Am liebsten hätte ich dort oben, genau in diesem Moment ein Lager aufschlagen und für den Rest meines Lebens bleiben können. Nunja, soooo lange vielleicht auch nicht, aber diese beeindruckende Stille und die beeindruckende Natur erdrückten mich förmlich – im positiven Sinne. Wir konnten an den Hängen tatsächlich ein paar Ziegen ausmachen. Ein Steinbock oder gar ein Murmeltier hätte mich vermutlich vom Glauben abfallen lassen und ich wäre wirklich nie wieder abgestiegen, aber soooo viel Glück war mir nicht vergönnt. Aber ich bin ganz sicher, ich will wieder in die Alpen!

Dann hatten wir es endlich (fast) geschafft. Endlich waren wir ganz oben – naja, nicht ganz oben auf dem Nebelhorn, aber auf circa 1920 Metern. Die Spitze des Nebelhorn ragte neben uns empor, alle paar Minuten flog ein Mutiger mit einem Gleitschirm über uns hinweg.

Wir konnten die Gondelstation schon sehen, das Hinweisschild gab an, das wir noch 1 Stunde zu laufen hätten. Und ja, es ging tatsächlich erst einmal bergab.

Da die Kopfschmerzen leider immer noch nicht besser waren, wir aber unser Ziel quasi vor Augen hatten, fragte ich ob wir noch eine letzte Pause einlegen sollten. Herrchen wollte aber weitergehen. Es war kurz nach 15 Uhr und in dem Wanderführer des Hotels hatte ich gelesen, die letzte Gondel der Hornbergbahn fährt um 17:30 Uhr ins Tal, es war also noch Zeit …. und wir stapften abwärts, was sich zwar nicht so anstrengend aber irgendwie unangenehm anfühlte.

Mitten in dem Nirgendwo dann plötzlich ein Schild: der Wanderweg war auf Grund von Gefahr gesperrt. Für uns total unverständlich aus mehreren Gründen. A) es gab nur diesen einen (sichtbaren) Weg und ein Hinweis an der letzten Abzweigung wäre da wohl sinnvoller gewesen, als plötzlich mitten auf dem Weg eine Sperrung zu errichten. B) wir sahen den Weg direkt vor uns. Er führte weder dicht am Berg entlang, noch unterschied er sich sonderlich von den letzten 500 Metern Wegstrecke. So entschieden wir uns, das Schild zu missachten und weiter zu laufen. Wir liefen also unterhalb des beachtlichen Nebelhorn stetig bergab und kamen wieder auf einen geteerten Weg.

Die kleine strahlende Bonnie war unser vorerst letztes Fotomotiv auf diesem Ausflug. Die kommende Wegstrecke war steil, fies und ließ uns kurz verzweifeln. Durch die Kopfschmerzen, die dagegen eingenommenen Tabletten mit wohl zu wenig Flüssigkeit, der anstrengende Aufstieg und der nervige Abstieg eben ließ bei unserem Herrchen die Muskeln versagen. Er bekam einen fiesen Krampf und konnte kaum auftreten. Kurz war Frauchen panisch am Überlegen, wie sie ihn (und uns) in dem Falle, das er nicht weiterlaufen könnte wieder vom Berg bekommen würde. Ein Blick auf die Uhr sagte zwar, wir hatten noch Zeit bis zur letzten Gondel um 17:30 Uhr müssten uns aber dennoch sputen. So nahm sie die Rücksäcke und ihre Beine in die Hand um den wirklich fiesen letzten Aufstieg auf sich zu nehmen. Ihr Plan: erst einmal hoch und gucken wie und wann die Bahn fährt und ob man eventuell Hilfe bekommen könnte. Unser Herrchen schleppte sich mit all seinen Kräfte unglaublich mutig und tapfer den wirklich steilen Weg empor. Oben angekommen wollte Frauchen in der Gastronomie zuerst etwas zu trinken besorgen. Die Frau dort drin gab ihr mit einem Fingerzeig auf ihre Uhr und dann Richtung Gondel zu verstehen, dass sie wohl schon geschlossen hatte. Gut, kaufen wir eben etwas in der Bahnstation. Kurz darauf kam unser Herrchen oben an und wir marschierten erschöpft aber fokussiert in die Station.
Die Frau dort drin sah uns ganz entgeistert an und fragte wo wir denn jetzt her kämen.
Wie? Wo? Ja vom Berg, entgegneten wir.
Was wir denn nun wollen, fragte sie.
Ähm, mit der Gondel wieder runter fahren.
Puh, ich hab schon Abschluss gemacht, warf sie unseren irritierten Gesichtern entgegen.
Und jetzt? Kommen wir nicht mehr runter?
Also ich hab schon Kassenabschluss gemacht.
Hä?!
Aber die letzte Bahn fährt doch erst in ner halben Stunde?
Nee, die letzte Bahn fährt jetzt!
Okey, aber wir können noch mit?
Ja Nee, ich hab schon Anschluss gemacht!

Kurze Verwirrung und Verzweiflung. Ein Kollege kam vorbei – es wurde kurz unsere Lage erklärt.
Die sind hochgelaufen und wollen jetzt runter fahren, ich hab aber schon Abschluss gedrückt, ich komm da nicht mehr rein.

Wenn die Bahn aber noch nicht weg ist – können wir nicht unten noch bezahlen?
Klar, sagt der Kollege, geht! Halten sie sich an mich. Oh und die Hunde brauchen nen Maulkorb.

Ja, das wusste ich zum Glück schon und hatte extra zwei einfache Maulkörbe gekauft und am Wanderrucksack befestigt. Ich war mir vorher nicht sicher ob die Maulkorbpflicht rassenbedingt sei und war nun mehr als froh, sie auf jeden Fall dabei zu haben.

Jasper & Bonnie bekamen also das Plastikding über die Schnute gezogen, schnell und angeleint ging es dann auch schon rein in die Gondel. In unserer Instastory haben wir noch ein passendes Video dazu. Die ersten Minuten in der Gondel waren wir alle noch so aufgekratzt von dem Aufstieg, von der ‘Diskussion’ über die Abfahrt und begeistert von der Tatsache dass wir es geschafft hatten. Die Fahrt ins Tal war nicht gerade angenehm für das Frauchen. Höhenangst schon ab einer 2 Meter Leiter und nicht in der Lage mit einem Karussell zu fahren, dass schneller als 7km/h fährt, hatte sie kurz mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Jasper saß brav und mutig mit seinem Maulkorb zwischen circa 10 anderen Menschen auf dem Gondelboden. Bonnie fand das Ding um ihre Schnauze nicht ganz so toll und beim Versuch sie davon abzuhalten, sich den Maulkorb auszuziehen, war Frauchen dann wieder etwas abgelenkt.
Unten angekommen liefen wir zur Kasse.
Ob wir die Walser Karte dabei hätten, fragte die Frau hinter der Scheibe.
….. Frauchen dämmerte etwas …. was hatte die Rezeptionistin gestern noch gesagt? Kurtaxe, Karte, Ermäßigungen …
Nö, haben wir nicht dabei.
Okey, 2 Erwachsene und 2 Hunde – macht dann 53 Euro ….
Puh, gut das wir Bargeld UND EC-Karte eingesteckt hatten!

Positives am Rande: für die beiden Hunde mussten wir nur einmal 5€ zahlen und sie würden für den Rest der Woche Gratis mit jeder Gondel im Kleinwalsertal fahren dürfen. Es gab einen kleinen Anhänger, den wir an Bonnies Rucksack hängten – im Nachhinein betrachtet total niedlich !!! Am nächsten Tag im Hotel erfuhren wir dann auch von den Vorzügen der Walserkarte, dazu später mehr.

Wir stolperten hungrig & durstig aus der Talstation und mussten feststellen, dass die einzig offene Gastronomie in Oberstdorf unmittelbar neben der Station ein Italiener war. Gut, Pizza im Allgäu – warum also nicht. Die Hunde legten sich sofort auf ihre Decke unter dem Tisch und wir kippten Russ (Weizenbier-Radler) und Cola in uns hinein als hätten wir gerade einen Berg bestiegen. Oh Moment, das hatten wir ja tatsächlich. Zum Glück hatten wir die Strecke mit unserer Relive App aufgezeichnet und guckten sie uns ein paar Mal an, während wir unsere Pizza in uns rein schaufelten. Wir realisierten wie viel Glück wir gehabt hatten. Hätten wir kurz vor Schluss noch eine Pause eingelegt, wäre die letzte Bahn weg gewesen und wir hätten die 1100 Höhenmeter wieder absteigen müssen. Was vermutlich mit dem Krampf im Bein ein wahrlich Krampf geworden wäre. Hätte Hätte Fahradkette – gut, es ist nicht so gekommen und wir saßen alle sicher und satt wieder am Boden, wieder auf 800 Metern.

Das Relive Video gibt es leider nur auf Instagram zu bewundern, denn irgendwie möchte mein Blog das hier nicht hochladen ;/

Hier mal unsere Route (rot markiert). Laut Tracking App waren es 11 Kilometer, 6;29 Stunden, maximale Höhe 1989m und insgesamt erkraxelte Höhenmeter 1414m !!!

Frisch gestärkt und frei nach dem Motto ‘jeder Gang macht Schlank’ (oder so  ähnlich *lach*) haben wir dann beschlossen, die 3km zur Ferienwohnung auch noch zu Fuß anzutreten. Kurzer Zwischenstopp im Norma Supermarkt und Schokolade für´s Gemüt besagt ging es dann in der Dunkelheit auf dem Fahrradweh zwischen Kühen und Landstraße von Oberstdorf nach Rubi. Plan für den Abend: Duschen & ins Bett. Plan für morgen: möglichst wenig bewegen und versuchen, denn wir hatten ziemlich Angst vor dem bösen Muskelkater der uns vermutlich ereilen würde.

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Tag 3 – …. denn zum Wandern sind wir da

Als wir am Morgen in unserer Ferienwohnung wach wurden, fürchteten wir den Muskelkater unseres Leben zu haben. Aber, es ging uns gut. Es ging uns und vor allem dem Herrchen erstaunlich gut. Die Nachtruhe und das Magnesium schienen geholfen zu haben. Wir wollten aber unbedingt noch mal Alpenpanorama tanken, diesmal aber ruhiger und gemächlicher. Ein Blick in die Broschüre den Hotels verriet übrigens, dass ich doch beim Check-In hätte besser zuhören sollen. Unsere einmalig teure Abfahrt tags zuvor vom Nebelhorn runter hätte nämlich NICHTS, GAR NICHTS kosten KÖNNEN … aber gut, hinterher ist man immer schlauer.

Ich komme später nochmal genauer zu dem Thema, aber mit der Abgabe der Kurtaxe und dem tolle Angebot unserer Unterkunft konnten wir mit der Walser Karte so einige Ermäßigungen rausschlagen. Die Hunde zahlen an der Gondel für eine Woche nur einmal und bekamen diesen süßen kleinen Anhänger. Auf dem gestrigen Heimweg, im Dunkeln, war die Leuchtfunktion sogar richtig praktisch.

Dank der Karte, konnten wir nicht nur schnell, unproblematisch und kostenfrei an der Fellhornbahn parken (Auto abstellen und Karte am Automaten scannen) sondern wir konnten auch gleich an der Kasse vorbei marschieren und uns zur Gondel anstellen. Auch dort wird am Drehkreuz einfach die Karte gescannt und los geht die Fahrt zum Fellhorn. Jasper & Bonnie, mit ihren Maulkörben übrigens wieder total brav und unproblematisch, denn die Gondel war voll!!!! Es wurde aber auch sehr lieb Rücksicht genommen und der Gondelführer (heißt das so???) bot uns eine extra Ecke an und auch die anderen Gäste behandelten die doch recht kleinen Hunde mit großem Respekt.

Es ging also von Fastenoy (904m) aus mit der Fellhornbahn zur Station Schlappoldsee auf 1780m ganz entspannt nach oben. Da wir aber nicht nur fahren, sondern schon noch ein bisschen wandern wollten, ging es dann zu Fuß weiter zur Fellhorn Gipfelstation (1967m). Auch hier bekam das Herrchen recht schnell Kopfschmerzen und im Nachhinein erfuhren wir, warum das bei manchen Menschen so ist und was wir beim nächsten Mal anders machen müssen. Wir ließen es heute also ganz gemächlich angehen und machten am Panoramarestaurant erstmal eine ausgedehnte Pause.

Der Weg von der Gipfelstation zum Fellhorngipfel (2038m) war zwar sehr interessant, aber auch sehr schmal und voll. So entschieden wir uns in die andere Richtung zu wandern und ließen das Panoramarestaurant hinter uns. Die Strecke auf dem Kamm ist übrigens die Deutsch-Österreichische Grenze.

Zuerst ging es etwas bergab, hier waren übrigens deutlich mehr Wanderer und Touristen unterwegs als auf unserem Weg zum Nebelhorn. Wir spazierten gemächlich zum Fug der imposanten Kanzelwand (2085m) und Bonnie war mit ihrem Rucksack, den sie zeitweise getragen hat wieder einmal ein Magnet für alle. Wir hatten über Instagram schon einige Anfragen bezüglich ihres Rucksacks, daher hier auch nochmal: der Rucksack ist von der Firma Ruffwear (der unterlegte Link führt direkt zu den Artikeln. #Werbung aber selbst bezahlt !) und ich muss zugeben, dass ich ihn eigentlich nur gekauft hatte, weil es einfach zuuu niedlich ist. Wären die Hunde größer, würden sie auch sicherlich einen Rucksack bei Wanderungen bekommen. Allerdings muss hier vieles beachten. Hunde sollten maximal 5% ihres Körpergewichtes tragen und da Bonnie mit 9-10kg eben sehr klein ist, hat sie den Rucksack nur eine kurze Zeit auf und auch nur ein paar Kotbeutel und Leckerchen drin.

Das Wetter war ein Traum, genau wie der Ausblick über das Kleinwalsertal. Zu Herrchens Problemen mit dem Kopf haben wir im Nachhinein von Freunden erfahren (die übrigens in einer mehrtätigen Tour mal den Kilimanjaro 5895m bestiegen hatten!!!!!) dass die dünnere Luft auf den Bergen für manche Menschen problematisch sein kann. Der Tipp hier: am Tag vor dem eigentlichen Wandern mit der Gondel ganz entspannt nach oben fahren und dort ohne Anstrengung spazieren und verweilen, damit der Körper sich an die Höhe und die Luft gewöhnen kann. Nach ein paar Stunden wieder herunterfahren und am nächsten Tag (hoffentlich) unproblematisch nach oben wandern. Noch wissen wir nicht, ob das wirklich helfen wird, aber wir werden es ausprobieren!

Der Gemütlichkeit halber entschieden wir uns, den Weg zur Kanzelwand nicht einzuschlagen. Außerdem ist uns hier oben ganz deutlich aufgefallen, dass die Berge und Gipfel so greifbar nahe scheinen, man jedoch für 5km mit einem Höhenunterschied von 350m mal eben ‘schnell’ fast 2-3 Stunden benötigt.

Umso mehr Zeit hatten wir, die schöne Gegend, das Wetter, den Ausblick und unseren Urlaub überhaupt zu genießen! Und natürlich wurden hier auch wieder unzählige schöne Bilder gemacht. Ich kann mich ja nicht satt sehen und in unserem Instagram Story Highlight zum ‘Urlaub am Nebelhorn’ haben wir noch ganz viele kurze Videoclips hochgeladen.

Wir wanderten in dieser wunderschönen Kulisse also wieder zur Fellhorn Mittelstation Schlappoldsee (1780m) zurück. Es ging vorbei an der Bierenwangalpe, über grüne Wiesen und dichte Wälder, immer mal wieder kreuzte ein kleiner Bach den Wanderweg und es war (unmöglich es zu beschreiben) schön!!!

Ich könnte ja stundenlang dort oben sitzen und die Gipfel der Berge betrachten. Zum Greifen nah und doch so fern. Und auch wenn es so aussieht, als ob dort oben noch nie ein Mensch gewesen ist, sind wohl doch so ziemlich alle Gipfel schon erklommen worden. Vom Mutigen, vom Wagemutigen und Träumern. Vielleicht liegt es am Alter …. aber dieser Ausblick lässt mich einfach nicht mehr los und fasziniert mich immer aufs Neue und nachdem ich nun hier echte Alpenluft schnuppern durfte, weiß ich, dass ich auf jeden Fall wieder kommen werde. Die Alpen, die Dolomiten – es gibt noch so viel zu sehen.

Noch mal ein kleiner Nachtrag zu der Walser Karte. Einige Unterkünfte werben sogar damit – Bergbahnticket Inklusive. Für 2 Erwachsene zahlten wir für die 3 Tage (An- und Abreisetag wird als einer gezählt) 12,30€ Kurtaxe und bekamen dafür die Walser Karte. So gut wie alle Parklplätze in Oberstdorf sind somit kostenfrei. Die Fahrten mit der OK-Bergbahn (Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen) auf Nebelhorn, Fellhorn, Söllereck, Kanzelwand und und und sind kostenfrei. Ich glaube sogar, mit der Karte wären auch die Hunde komplett kostenfrei gefahren, da bin ich mir aber nicht sicher. Auf jeden Fall an den Maulkorn denken, liebe Hundefreunde! Es gibt für Museen, Schwimmbäder und andere Freizeiteinrichtungen (die man mit Hund aber eher selten nutzt) auch vielen Ermäßigungen. Ist alles in der passenden Broschüre der Walser Karte nachzulesen. Ich würde beim nächsten Urlaub auf jeden Fall wieder darauf achten, dass die Unterkunft das Bergbahnticket inklusive anbietet.

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Tag 3 – Abreise & Resümee

Am Donnerstag musste wir leider schon wieder unsere Taschen packen und das Kleinwalsertal, seine Berge und Wälder und auch unsere süßen Nachbarn verlassen. Da in der Ferienwohnung wirklich alles vorhanden ist, was man so benötigt konnten wir alles in wenigen Minuten besenrein hinterlassen. Schlüssel und WalserKarte haben wir an der Hotelrezeption abgegeben und als kleines Geschenk noch 2 kl. Flaschen Allgäuer Wasser, 1 wunderbar duftendes Steinofenbrot und eine kleine Taschenlampe bekommen. Die Lampe ist dann für den nächsten Besuch durchaus sinnvoll, wenn wir wieder im stockdunklen an der Landstraße nach Hause laufen müssen *lach*.

 

Es war wirklich ein wunderschöner Kurzurlaub und beim nächsten Besuch würde ich wieder die gleiche Unterkunft wählen. Es war sehr ordentlich & sauber, die Hunde waren gern gesehen Gäste und die Gegend hält noch so viel mehr bereit. Dass man so viele unterschiedliche Wege und Touren direkt ab Haus einschlagen kann ist für uns als Städtern, die doch jeden Tag auf das Auto angewiesen sind eine wahre Wohltat.

Daher bekommt der Urlaub auch von uns volle 5 von 5 Pfoten!

 

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Wir wurden und wir werden nicht dafür bezahlt, oben genannte Orte, Personen oder Dinge zu benennen, zu markieren oder zu empfehlen.

5 Kommentare

  • Manu

    Ach einfach herrlich . Ich war ja nie so der Bergfreund um ehrlich zu sein , aber die letzten Jahre und nun wenn ich mir die Bilder so anschaue … ach ja …. da lockt eines das doch 😍

  • Sarah vom Naturkraxler

    Eiderdaus, das war aber ein wahres Abenteuer. Tja, oft braucht man einfach Glück in den Bergen, ging uns auch schon so 😄
    53,-€ für Berg-Tal ist allerdings absolut unverschämt!
    Dein armer, tapferer Mann. Umso stolzer könnt ihr sein, es durchgezogen zu haben!! Nächstes Mal auf jede Fall Magnesium einpacken, haha 😄
    Und ja, Stöcke sind definitiv lohnenswert, bergauf, wie auch bergab.
    Vielen Dank für deinen tollen Bericht und die wunderschönen Fotos.

    Liebe Grüße aus dem Allgäu, Sarah mit ihren Bermöpsen

    • Dana

      Danke euch, ihr Lieben. Ich wusste ja schon in etwa, wie teuer die Fahrt werden würde, hatte aber allerdings gehofft, bergab würde es nicht soooo teuer werden 😉 🙂 Magnesium ist auf jeden fall schon in unseren Wanderrucksack gepackt worden. Und noch Einiges an Erfahrung! Die Sache mit den Stöcken überlege ich mir wirklich für das nächste Mal!
      Ich freue mich, wenn wir wieder im Allgäu sind und dann vielleicht eine Mops-Terrier-Wanderung unternehmen.

      Aber: unser Urlaubsbericht ist hier übrigens noch nicht zu Ende 😉

  • Manu

    Holla die Waldfee…. das war aber sehr abenteuerlich. Hut ab Ihr Lieben ! 👍👍👍 Sehr schön geschrieben, so spannend 😁 , und die Biiilder ♥️🥰

    • Dana

      Danke Danke Danke 🙂 Ja die Bilder lassen mich immer wieder ins Schwärmen verfallen. Aber: es ist in Wirklichkeit noch viel viel schöner!!

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