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Belgien, Holland, das Dreiländereck (Reisetagebuch)

 

Hallo Freunde, hier schriebt das Frauchen mit schnarchender Unterstützung von den Wanderterriern Jasper & Bonnie. Es ist 23:50 am Samstagabend und ich beginne unser Reisetagebuch.

Schön, dass ihr unserer Reise folgt. In den kommenden Tagen werden wir diesen Blogpost (hoffentlich xx) täglich um neue Abenteuer erweitern. Aber fangen wir zu Anfang doch erst einmal ganz von vorne an. Der Urlaub an sich war schon lange geplant. Eigentlich – man könnte sich bei dem Wort “eigentlich” schon seinen Teil denken – eigentlich war alles ganz anders geplant….Vor ca. einem Dreivierteljahr kam das Frauchen mit oder bzw. wegen ihrer Freundin S. auf die Idee, sich Karten für das Southside Festival zu besorgen. Gesagt – getan! Zelt haben wir eh! Das Line Up kündigte ‘The Cure’ an! Und dann das: das Herrchen musste plötzlich einen wichtigen Termin wahrnehmen. Einen nicht verschiebbaren Termin! Das größte Segelevent der Welt, die ‘Kieler Woche’! Dagegen hat so ein Musikfestival nicht wirklich viel zu bieten ….. aber Moment, was haben die beiden Termine miteinander gemein? Das Southside Festival geht vom 20.06. – 23.06. und die Kieler Woche (inkl. Vorbereitungszeit) vom 19.06. – 30.06.  – somit wäre am jetzigen Wochenende keiner zu Hause und die Hunde sich selbst überlassen. Und hier kommt der Grund, warum wir bzw. das Frauchen nun in Belgien und nicht in Neuhausen ob Eck sitzt. Denn, zwei Hunde mal eben für 4 Nächte jemandem auf´s Auge zu drücken ist nicht leicht. Außerdem muss ich, das Frauchen dazu sagen, dass ich es mir oft selbst nicht leicht mache. Ich wollte unserer Freundin L., die selbst schon 2 Hunde hat nicht noch zwei weitere Vierbeiner zumuten. Anderen Menschen wöllte ich unsere Wuffs nicht überlassen. Letzte Hoffnung war die Hundepension in der auch die Emma von S. für dieses Wochenende wohnen würde. Allerdings waren die total ausgebucht und nahmen leider keiner Neuankömmlinge mehr an. Somit stand für mich, als Frauchen ganz klar fest: Dogs before Dancing ….. oder so ….. auf jeden Fall entschied ich mich FÜR die Hunde und gegen das Festival. Andere Hundehalter (vielleicht sogar Du, der das gerade liest) hätte anders entschieden, aber ICH habe so entschieden. Es war eine schwierige Entscheidung, aber es ist mir nicht schwer gefallen. So – jetzt aber genug von den negativen Vibes ….. der Urlaub stand also fest, musste nur noch geplant werden. Zu Hause bleiben, alleine, war keine Option. Durch Zufall – wobei, gibt es wirklich DEN Zufall oder ist es nicht doch alles Schicksal?! – stolperte ich über diesen Hof van Aaken. Die Hunde waren endlich (auch so ein Vorhaben, dass ich immer nach Hinten geschoben hatte) gechippt und durften nun auch endlich mal Deutschland verlassen, da war es fast klar, dass ich etwas suchen würde, das uns ins europäische Ausland bringen würde. Ein einziges Bild des 1575 errichteten Bauernhofes langte, um mich zu überzeugen und sofort zu buchen.

Der ‘Hof van Aken’ liegt auf der belgischen Seite des Dreiländerecks Deutschland, Holland & Belgien. Nach umfangreicher Sanierung und Renovierung vermieten Henriette & Paul seit 2003 ihre Ferienappartements in Richelle / Visé an Urlauber aus ganz Europa. Alle Wohnungen verfügen über eine voll eingerichtete Küche (inkl. Gefrierabteil am Kühlschrank – gut & wichtig für B.A.R.F. fressende Vierbeiner), Ess- und Wohnbereich mit TV, teilweise mehreren Schlafzimmern, einem Duschbad und einem schönen Platz im Hof. Die Buchung erfolgte ganz unproblematisch via E-Mail. Zahlung des Appartements im Voraus, Kaution, Gebühr für Hunde in bar vor Ort und Strom & Wasser nach Verbrauch bei Abreise. Handtücher kann man selber mitbringen, muss man aber nicht. Man könnte sie genau wie die Bettlaken für eine Gebühr leihen. Da ich aber persönlich total gerne im eigenen ‘Bettzeug’ schlafe, habe ich alles mitgenommen. Achtung (!!!): in der Buchungsemail ist die Rede von Bettlaken. Ich hatte Spannbetttücher und einen Bettbezug inkl. meines Kopfkissens dabei. Bei Anreise fand ich ein Bett mit Frotteespannbettlaken, ein unbezogenes Kopfkissen, sowie eine herkömmliche Decke (in Hessen sagt man Kult oder Kolder/Kolter) vor. Da es Sommer ist, bezog ich die die Decke mit meinem Bettbezug. Wer allerdings richtige Bettwäsche benötigt oder erwartet sollte evtl. nachfragen oder einfach sein ganzes ‘Bettzeugs’ in eine riesige IKEA-Tüte packen und mitnehmen. Zur weiteren Ausstattung gibt´s später mehr.

Da die Vierbeiner ja wie erwähnt nicht gechippt und somit noch nie außerhalb von Deutschland waren, war auch ich, das Frauchen, seit über 10 Jahren nicht mehr außerhalb Deutschlands unterwegs. Wem manche Fragen jetzt doof vorkommen, oder wer einige Antworten schon kennt: sorry – not sorry. Das bin ich. Leicht perfektionistisch veranlagt. Möchte vieles im Voraus planen und habe doch manchmal von gewissen Sachen einfach keinen Plan. So bin ich in meine Bank hineinspaziert und habe gefragt, ob es mich Gebühren kosten würde, wenn ich in Belgien oder Holland mit meiner EC-Karte zahlen möchte. Die Antwort der Frau am Schalter ‘Das weiß ich leider gar nicht … moment bitte…’. War ich also nicht die Einzige, die manchmal keinen Plan hat. Also, für alle Commerzbankkunden: nö! Keine Extragebühren. Ganz normales bargeldloses Zahlen wie in Deutschland auch. Bei Geldautomaten mit Maestro-Zeichen sogar gebührenfreies Geldabheben möglich (Achtung! Ich denke, jede Bank hat da ihre eigenen Regeln!). Punkt Eins war somit schon mal vom Tisch.

Punkt zwei: Handy, Datennutzung, Roaming, etc… Also hab ich ganz easy bei der Telekom angerufen und gefragt, wie das mit dem Roaming ist wenn ich nach Belgien/Holland fahre. Erste Antwort des sehr netten Mitarbeiters: ‘gut, dass sie anrufen und fragen’….. zweite Antwort: für Datennutzung gilt der gleiche Tarif wie in Deutschland. Beim Telefonieren kann das anders sein, aber wer telefoniert denn heutzutage noch … ich gebe zu, bei dem Thema habe ich nicht sonderlich gut zugehört…..

Punkt Drei war dann noch die Navigation, die mir zu Denken gab. Das bei Renault eingebaute Navi verfügte über Karten für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Unter ‘Tomtomhome.de’ sollte die Karte für die Beneluxstatten aber fast 50€ kosten…..Leute, ganz ehrlich, für sowas bin ich zu geizig. Erst Recht, wenn ich ohne zusätzliche Roaminggebühren mein Smartphone nutzen kann. Somit war dieser Punkt recht schnell abgehakt.

Nur noch schnell zu ATU, Öl auffüllen und bei Renault die alten verschlissenen Wischerblätter gegen ein paar Neue tauschen.

Am Freitag den 21.06.2019 habe ich dann morgens das Auto beladen, den Fahrradträger montiert und das Fahrrad aufgeladen. Einen neuen Fahrradanhänger hatte ich über amazon.de erstanden, da ich einen klappbaren Anhänger benötigt hatte, den ich problemlos zu Koffer und Taschen in den Kofferraum schmeißen konnte. Mit knapp unter 100€ nicht der Günstigste, aber nach heutigen Tour, muss ich ehrlich zugeben, jeden Cent wert! Der Aufbau war easy. Er lässt sich noch einfacher zusammen- bzw. auseinanderklappen. Er fährt sich angenehm und ist (je nach gewählter Größe) ideal für ein oder zwei Hunde.

Lest jetzt unser Reisetagebuch:

Tag 1 / Freitag / Tag der Anreise

Von Frankfurt über Köln bzw Bonn, Aachen direkt unter Maastricht hindurch nach Visé / Belgien.
Mein Autonavi lässt ein kleines PKW Symbol am Ende einer Straße vor einer großen grauen Karte stehen … ich bin im Nirgendwo, da unser Autonavi wie oben erwähnt nur für Deutschland, Österreich und Schweiz gilt.
In guter Voraussicht habe ich das mit den Roaminggebühren abgeklärt und die Adresse unserer Unterkunft schon in der Smartphone Map gespeichert.
Sobald man die deutsche Autobahn verlässt, lediglich ein europäisches Hinweisschild deutete darauf hin, merkt man, dass man hier ganz woanders ist. Wir machten einen Schlenker durch Holland um nach Belgien zu gelangen. Die Beschriftung, die Text- und sogar die Schildergröße sind definitiv sowas von nicht-deutsch. Guter Hinweis für Touristen. Auf kleinen Tafeln am Straßenrand wird man auf die passende Radiowelle sowie die, im jeweiligen Land geltende Richt- bzw. Höchstgeschwindigkeit hingewiesen.
Kleiner Tipp von Frau zu Frau, denn hier schriebt eine alleinreisende Frau, höre auf die Stimme im Navi und tue einfach das, was sie möchte. Wenn die nette Frau im Smartphone sagt, Du sollst rechts auf die Rue de la Schoscho und auf N 632 abbiegen, dann suche nicht nach einer Bezeichnung oder Nummer … vertraue und bieg einfach rechts ab. Die Bezeichnung der Straßen und Autobahnen und Bundesstraßen können für einen nicht ortsansässigen recht kompliziert sein. Erst Recht, wenn man ohne ein Wort französisch in seinem Wortschatz in eine Region fährt, die stark von Frankreich geprägt wurde.
Es soll sich aber später noch herausstellen, dass meine Angst, ich könnte mich mit niemandem verständigen, vollkommen unbegründet ist.
Was mir auch am zweiten Tag auf Belgiens Schnellstraßen aufgefallen ist: noch nirgends habe ich so viele tote Vögel am Straßenrand gesehen. Und als ich Zeuge wurde, wie eine Taube, die gerade mit Ästen und anderem Nistmaterial (?) im Schnabel die Autobahn überfliegen wollte, mit dem Luftstrudel des vor mir fahrenden Wohnwagen zu kämpfen hatte, war mir zwar klar, wie das passiert. Genau so wie auf deutschen Autobahnen auch. Vogel fliegt. Auto bzw. LKW kommen in die Quere. Aufprall. Genickbruch. Tot. Aber in Deutschland habe ich wie erwähnt noch nie so viele Tiere am Straßenrand liegen sehen. Haben wir mehr Füchse / Aasfresser, die den Seitenstreifen aufräumen oder erledigt das bei uns eine Art Müllabfuhr. Der Gedanke zum Sonntag für euch, meine lieben Freunde…..

Als wir dann am Abend in unserer Unterkunft ankamen, hatten wir noch viel Zeit unsere neue Wohnung und auch die Umgebung zu erkunden. Der Hof sieht genau so aus, wie er auf der Website dargestellt wurde. Ich habe allerdings das Gefühl, dass es in meiner Vorstellung größer aussah.

Der wunderschöne und sehr liebevoll eingerichtete Hof wird umrahmt von alten Backsteinmauern die verschiedene Appartements beherbergen. Diese sehen genau so rustikal aus wie es von außen vermuten mag. Wer das Alte & Antike und freiliegende Holzbalken mag ist hier genau richtig.

Vor jedem Appartement haben die Bewohner eine eigene Sitzgelegenheit. Mein Frühstück muss ich in Appartement 3 zwar im Schatten einnehmen, sitze dafür aber Abends lange in der Sonne.

Die meisten Appartements verfügen über mindestens 2 Schlafzimmer und bieten somit Platz für mehrere Personen. Das Badezimmer ist, zumindest in meinem Haus, allerdings eher für eine Person gedacht. Über die recht steile Treppe, über die ich übrigens jeden Morgen und jeden Abend die Hunde trage damit sie bei und mit mir im Schlafzimmer schlafen können und sich beim Auf- und Abstieg keine Beine oder Pfoten brechen, geht es in den ersten Stock zu den erwähnten zwei Schlafzimmern mit Duschbad.

Keine Frage, es ist alles da, was man benötigt. Dusche mit Vorhang und Badematte, Toilette mit Papier, Waschbecken mit Spiegel. Handtücher und etc. muss man sich mitbringen oder gegen Gebühr leihen. Ich hätte mir eine kleine Ablage am Waschbecken gewünscht, damit ich nicht alles immer wieder im Kulturbeutel verstauen muss. Auch in der Dusche findet mein Duschgel und meine Haarseife lediglich am Wannenrand Platz. Es gibt nur einen Haken für Handtücher …. Kleinigkeiten, aber sie fallen auf.

Beide Schlafzimmer verfügen über je zwei Betten, je einem Schrank und hohen Decken. Zum Thema Bettwäsche hatte ich ja weiter oben schon etwas geschrieben. Ich habe mir das zum Hof ausgerichtete Zimmer ausgesucht, da hier das Fenster größer ist und ich lieber zum Hof statt zur Straße hin schlafe.

In der ersten Nacht hätte ich mir allerdings gewünscht, doch das andere Zimmer gewählt zu haben. Die kleine Horde junger Männer (Engländer und Holländer gemischt) auf der gegenüberliegenden Seite im Hof leerten in ganz brittischer Tradition ein Bier nach dem anderen und hielten mich mit Gelaber, Musik und Tischtennis den Abend über bis 3 Uhr Nachts wach. Zum Glück sind sie mittlerweile abgereist und es ist die erhoffte Ruhe im Hof eingekehrt.

Ich liebe mittlerweile schon den Blick aus dem Schlafzimmer wenn ich morgens die Augen öffne.

Im Erdgeschoss bietet der große Raum Wohn- & Esszimmer und Küche. Die Küche ist mit Kaffeemaschine, Wasserkocher, Mikrowelle, Spülmaschine, Herd und Backofen, Kühlschrank mit Gefrierteil (gut für B.A.R.F.er) und allem nötigen Küchenutensilien perfekt ausgestattet. Etwas unsicher hatte ich sogar Spüli von zu Hause mitgenommen, habe allerdings Spülmittel, Schwamm und Spülmaschinentabs unter der Spüle gefunden. Im Wandschrank nebenan gibt es Schippe & Besen und alles in allem fühle ich mir hier am zweiten Tag schon sehr wohl und heimelig. Im Fernseher läuft natürlich nur belgisches Program, aber wer benötigt bei diesem traumhaft schönen Hof und vor allem im Urlaub einen Fernseher?

Parken kann man auf dem hauseigenen Parkplatz und in 2 Minuten ist Hund im Feld und kann seine morgendliche Tageszeitung lesen. Achtung bitte: hier in Richelle gibt es viele und vor allem frei laufende Katzen, da ist es ratsam angeleint bis zum Feld zu marschieren.

Außerdem gibt es hier selten Bürgersteige, jedoch hält sich der Verkehr in dem mit 500 Häusern besiedeltem Richelle sehr in Grenzen. Richelle steht übrigens auf einer Klippe, die mehrere zehn Meter über das Maas thront. Leider hatte ich das bei der Wahl der Unterkunft und der Idee, das Fahrrad mitzunehmen nicht berücksichtigt und eine schöne Tour von zu Hause aus, könnte wohl schwierig werden. Aber schauen wir mal, was in den kommenden Tagen noch so kommt …..

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Tag 2 / Samstag / Unsere erste Fahrradtour

Unser Samstag startete ganz entspannt. Ausschlafen, Frühstücken und eine kleine Gassirunde um die Kirschplantage die wir am Abend zuvor schon entdeckt hatten. Dann packte ich Hunde, Fahrrad und den Fahrradtrailer für Jasper und Bonnie ins Auto und wir machten uns auf den Weg zu einem vielversprechendem POI, den ich am Abend zuvor doch tatsächlich bei Instagram entdeckt hatte. Es ging ca. 50km ins Landesinnere. Zwischen Hasselt und Genk hatte ich einen kostenlosen Parkplatz gefunden, der unmittelbar am Wandergebiet Bokrijk / Kiewit liegt. Der Parkplatz war erstaunlich voll. Okey, es war Samstag, vielleicht nicht der beste Wochentag für einen Ausflug. Ich ergatterte nach kurzer Suche einen passenden Platz, schnappte mir erst einmal die Hunde um die Lage zu Fuß zu checken. Mein POI lag in dem Waldgebiet, das an diesen Parkplatz angrenzt und eine große Hinweistafel sah vielversprechend aus.

Ich wählte instinktiv die längste Route und war guter Dinge mein Highlight auch zu finden. Ich ging ein paar Meter und überlegte noch, ob ich die 12km Route laufen oder doch lieber erFahren wollte…. Ich entschied mich für Zweiteres. Der neue Hundeanhänger ist super easy und schnell aufgebaut, am Fahrrad montiert und macht einen sehr stabilen Eindruck für meine beiden Terrier, die das Ein- und Aussteigen glücklicherweise schon gewohnt sind.
Für meine Route sollte ich dem roten Dreieck auf weißem Grund folgen. Ich entschied mich für eine Tour gegen den Uhrzeigersinn und fuhr vom Parkplatz nach rechts in den Wald.

Ich kam an einem Naturfreundehaus mit angrenzendem Restaurant und Ziegengehege vorbei und suchte an der nächsten Kreuzung schon vergebens nach meinem Routenzeichen.

Okey, dann doch lieber im Uhrzeigersinn?! Ich fuhr also zurück zum Parkplatz um dem roten Dreieck in die andere Ecke des Waldes zu folgen um dann vor einem Zaun mit einem kleinen Holztürchen zu stehen. Ich bin mir leider ehrlich gesagt nicht sicher, wie ich das beschreiben soll, aber ich versuche es einfach mal – denn davon habe ich ausnahmsweise mal kein Foto gemacht. Stellt euch vor, ihr steht vor einem Zaun mit einem kleinen Holztürchen. Durch dieses Türchen hätte sicher das Fahrrad samt Trailer gepasst, ABER …. Das Türchen ging nach innen auf und man kam als Mensch schon nicht einfach so hindurch, da nämlich das Türchen in einer Art Umzäunung stand. Als Mensch hätte man also a) die Tür öffnen, b) hinein gehen, c) das Türchen wieder schließen müssen um d) nun aus dem Verschlag wieder in die Freiheit zu gelangen. War das jetzt verständlich? Wenn nicht, sorry, schreibt mir und ich schicke euch eine Skizze 😉 Das Ende der Geschichte ist, dass ich da weder mit dem Fahrrad und schon gar nicht mit dem Hundetrailer durchgekommen wäre. Aber dann wäre das ja auch die Ende der Geschichte und die ist sie nicht.

Ich sagte mir also „Hey Dana, du hast Urlaub und weder MUSST du etwas noch hast du Zeitdruck“ … wobei, ich wollte ja noch einkaufen und die Geschäfte hier haben nicht im Entferntesten die gleichen Öffnungszeiten wie in Deutschland. Aber hey, wenn nicht, wäre das auch nicht weiter schlimm. Ich entschied mich also für NICHTS, holte mein Smartphone raus und schätzte ungefähr ab, wo und in welche Richtung mein POI war und wie ich ungefähr da hinkommen würde. Letztendlich stellte sich nämlich heraus, dass ich zu Anfang meiner Tour an einem großen Freilichtmuseum stand und mein POI ganz woanders war ….. tja ….. gute Vorbereitung ist alles, oder so?!

Ich schlug also einfach einen Weg ein und wartete ab, wo dieser mich hinführen würde. Zur Not hätte ich halt eben den gleichen Weg zurückfahren müssen. Zwischendurch konnte ich sogar die Hunde aus dem Trailer und neben mir herlaufen lassen.

Da mein POI ein absoluter Sightseeingmagnet für Fahrradfahrer ist, entschied ich allerdings sie kurz vorher wieder einzupacken. Ich war auch noch gar nicht lange unterwegs, da war ich auch schon da. Fietsen door het Water – also Fahrradfahren durchs Wasser. Es war schon toll, irgendwie. Eine lustige Idee. Aber mehr als durchzufahren, stehenzubleiben wie alle anderen Touris und ein Foto zu machen und dann wieder am anderen Ende auf einen normalen Fahrradweg zu gelangen, war es dann auch wieder nicht.

Das Schwanen- und auch das Entenpaar auf dem See hatte kleine Küken, die neugierig und ebenfalls ein beliebtes Fotomotiv der Touristen waren. Ja, auch von mir. Ich war ja schließlich auch Tourist. Und wie machen die meisten Touristen Bilder? Sie fotografieren Gegenstände oder Kulissen, den Partner oder den Teil der Familie vor selbigen oder versuchen sich zu 6. auf ein Selfie zu quetschen bei dem der Fotografierende vermutlich daran denkt für den nächsten Ausflug auf jeden Fall einen Selfiestick zu besorgen. Und dann steh ich da und mache Fotos von meinen Hunden in ihrem Trailer….. aber hey, alleine zu reisen heißt nicht, das man dennoch alles alleine machen muss. Eine Gruppe von 4 Holländern versuchte auch gerade sich inmitten der beiden Seen auf ein Selfie zu drängen. Ich bot meine Hilfe an und erbat gleichzeitig das Selbige von ihnen. Und, es klappte …. Tipp für Alleinreisende: einfach die Klappe aufmachen wenn was ist. Kann sein, dass das Gegenüber nichts versteht, dann versuche es in einer anderen Sprache oder mit Gesten. Aber schon an Tag 2 kann ich sagen: die Welt ist offener und freundlicher als man denkt und auch schneller als man denkt steckt man in einem lustigen Gespräch über die Hunde, woher man käme und warum man eigentlich (alleine) hier sei.

Nachdem mein Point of Interest nun doch nicht sooooo wahnsinnig interssant war, entschlos ich mich, einfach weiter zu fahren. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass das ‚Fietsen door het water‘ ja nur einen Katzensprung vom Auto entfernt war und diese Highlight sicher wieder leicht zu finden wäre.

So fuhren wir also weiter durch den Wald, die Hunde mal hinter mir im Trailer und mal neben mir her. Wir kamen dann irgendwann zum Haupteingang des Anfangs erwähnten Freiluftmuseums. 12,50€ war es mir persönlich nicht wert. Aber ich hörte viele und begeisterte Kinderstimmen, für kleine Zweibeiner sicherlich recht interessant.

Wir fuhren weiter und kamen auf eine wunderbare Wiese mit diesem riesen Bambusstrauch. Wie war das mit dem Urlaub und dem Zeitdruck? Richtig! Das Eine JA, das Andere NEIN! So nahm ich also die Decke aus dem Trailer und machten eine kleine Knuddelpause auf der Wiese.

 

Vorangegangene Wegzeichen machten mich neugierig auf das ausgeschilderte Castle und genau so neugierig wurde ich von einem kleinen Mädchen und ihrer Mutter beobachtet, wie ich Jasper & Bonnie in gewohnter Manier vor diesem wunderbaren Castle, welches übrigens ein Restaurant beherbergt, in Photopose setzte.

Für unser spontanes Selfie brauchte ich nur mein Fahrrad als ‚Stativ‘ und die Timerfunktion der Handykamera  😉

Wild wachsende Cala´s – ist das nicht der Wahnsinn? Okey, sie wurden vermutlich dort gepflanzt, aber sie leben noch und breiten sich weitere aus – ganz im Gegensatz zu der armen Topfpflanzenversion die ich einmal geschenkt bekommen hatte und die leider nach dem Verlust ihrer Blüte nie wieder geblüht hat.

Auch faszinierend hier im Park (oder hier in Belgien?!) Da wird sogar der Müll unterwegs in Restmüll und recyclebaren Müll getrennt. Und da heißt es immer, wir deutschen seien solche Müll-Trenn-Treckis ?!

Wir setzten unseren Weg weiter fort. Die Hunde weiterhin entweder neben mir am Fahrrad oder hinter mir im Trailer, denn eigentlich machten die Schilder darauf aufmerksam, dass Hunde an der Leine zu führen seien…. Hat uns aber keiner gesehen und erst recht keiner darauf angesprochen.

Angesprochen wurden wir bzw. ich dann wieder als ich vor einem Teich mit wunderbaren Koi Karpfen anhielt. Ein Belgier mittleren Alters mit griechischer Abstammung der seinen alten und behinderten und super lieben Vater durch den Park schob. Der Vater zeigte, ähnlich wie ein kleines Kind, beim Anblick der Hunde in dem Trailer mit dem Finger auf die Beiden und lachte das herzlichste Lachen – mit seinen Augen. Denn seine Stimme hatte er nicht mehr. Also entweder gibt es in Belgien keine Hundetrailer oder es fühlt sich keiner bescheuert genug solch einen zu nutzen, denn der Hundeanhänger zog einige Blicke auf sich. Wir unterhielten uns nett in englischer Sprache über Belgien, Urlaub und Musik. Denn Stavros ist Musiker und hatte sogar mal für kurze Zeit in Frankfurt Musik studiert. Und auch hier wieder: die erste Frage ‚wo kommst du her?‘. Ohne zu urteilen oder verurteilen oder zu beurteilen. Einfach aus purem Interesse. ‚Hallo Du Mensch, wer bist Du denn? Also Ich bin Ich! Und Du?‘ Herrlich ist das hier. Als ich später weiter fahre, überlege ich, ob mir das zu Hause schon einmal passiert ist …. Ist man anders wenn man im Urlaub ist? Oder ist das Land anders, in dem man im Urlaub ist?

Stavros empfahl mir auf jeden Fall, einen Abstecher zum botanischen Garten dem Arboretum de Bokrijk zu machen. Leider habe ich nur eine Hälfte des Gartens entdeckt. Zu Hause im Appartement, im Wlan habe ich gesehen, dass der Park doppelt so groß war. Also Hinweis für alle die auch hierher kommen wollen: guckt euch das ‚grüne Haus‘ unbedingt an! Ich war begeistert von den wunderschönen und vielzähligen Bäumen und Sträuchern und Blühpflanzen aus aller Welt. Guckt unbedingt in den Instagram Sory Highlights unsere Shortclips zum Urlaub in Belgien und kommt mit uns durch einen kleinen Bambusdschungel.

Vom botanischen Garten aus kamen wir auf der anderen Seite zum ‚Fietsen door het Water‘, über- bzw durchquerten es diesmal ganz und fuhren unseren uns bekannten Weg zum Auto zurück. Wie viele Kilomter wir heute Gut gemacht haben kann ich leider nicht sagen, aber es waren wunderbare 4 Stunden gewesen.

Ich schaffte es noch rechtzeitig in die größte Lidl Filiale, die ich bisher gesehen hatte. Kaufte etwas Obst & Gemüse und schlug in der Backwarenabteilung natürlich gleich kräftig zu. Brote, Baguettes, Brötchen … da sah alles einfach herrlich aus.

Den Abend verbrachten wir auf unserem Sonnenplatz im Hof und dösten unter Tischen und Bänken (Jasper & Bonnie) und schmökerten in einem Buch (ich) bei einem Glas roséfarbenen belgischen Bier 😉

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Tag 3 / Sonntag / Wandern mit Freunden

Sonntag ist Wandertag, da bildet auch so ein Urlaub keine Ausnahme. Eine besondere Ausnahme war aber, dass wir gestern eine liebe Freundin zum Wandern dabei hatten.

Manu kennen wir noch aus den Zeiten als Jasper in diversen Jack Russell Gruppen auf Facebook aktiv war. Facebook war irgendwann öde und man tauschte sich lieber via Whatsapp oder kleinen Päckchen aus. Letztes Jahr nutzten wir die Chance und fuhren zu Manu, Louis und Nala nach NRW. Den Blogpost über unseren tollen Ausflug ins Ruhrgebiet und unser erstes richtiges Campingabenteuer müssen wir auch noch unbedingt mit euch teilen. Nun bleiben wir aber erst einmal im Jetzt. Nachdem wir uns letztes Jahr so toll verstanden und uns gleich sympathisch waren, war Manu sofort Feuer & Flamme als sie hörte, dass wir nach Belgien fahren. Das deutsch-holländische-belgische Dreiländereck ist nämlich gerade einmal zwei Autostunden von ihr entfernt. Sie fand die Idee einer gemeinsamen Wanderung super und so besuchte sie uns am Sonntagvormittag in unserem tollen Feriendomizil.

Wandern mit ‚fremden‘ Menschen ist ja immer so ein kleines bisschen wie Lotto spielen. Jeder hat andere Interessen auf einer solchen Wanderung. Jeder ein anderes Tempo und sogar ein anderes Empfinden für Entfernungen. Auf Grund des Wetters wählte ich auf jeden Fall schon mal eine Wanderung durch Wälder aus. Bachläufe und Felsen klangen auch ganz wunderbar. Aber 15km? Würde das zu viel werden? Aber andererseits, so dachte ich mir, wäre es ja auch keinesfalls lohnenswert 2 Stunden Autofahrt auf sich zu nehmen um dann eine 4km Gassirunde zu drehen. Ich suchte also weiter und fand eine ähnliche Wanderung mit ausgewiesenen 9,1km. Das war doch eine gute Runde, egal ob geübter oder ungeübter Wanderer.

Über die Plattform ‚Outdooractive.de findet man für fast jede Region unzählige Wandervorschläge. Aber Achtung: einige sind detailiert beschrieben, während andere Routen lediglich einen Start- und Zielpunkt angeben. Meine ausgewählte Route ‚Im wilden Tros-Marets Tal‘ enthielt eine ausführliche Beschreibung. „…Start und Ziel ist das Hotal Restaurant Ferme Libert direkt an der Downhill-Strecke. Parkplätze sind ausreichend vorhanden….Auf dem Forstweg vor der Ferme Libert der Markierung des Fernwanderwegs GR56 (weiß-roter Balken) folgen….“ Klang super und vielversprechend.

Es ging also los. Von Visé aus fuhren wir mit dem Auto ca. 40 Minuten Richtung Spa / Malmedy / Ostbelgien. Wir nahmen gleich den ersten Parkplatz in Beschlag, den wir finde konnten. Wie sich 5 Minuten später herausstellen sollte, war es der falsche Parkplatz. Aber bis auf 250 Meter mehr Weg machte es sonst keinen Unterschied. Als erstes kommt nämlich der Parkplatz zur Downhill-Strecke. Folgt man dem Weg ein paar Meter weiter gelangt man zum Restaurant / Hotel Ferme Libert. Dort kann man ebenfalls parken. Wer übrigens nach der Wanderung noch im Restaurant auf belgische Pommes oder ein kühles belgisches Bier hofft, sollte dessen Öffnungszeiten genauestens im Auge behalten (Beispiel: Sonntags nur bis 17:30h geöffnet).
Laut Routenbeschreibung sollten wir dem rot weißen Balken folgen, der auch schnell gefunden war.

Es ging in einen wunderschönen Wald hinein. Der Weg wurde zu einem Pfad – beinahe hätten wir die Abzweigung nach Links verpasst. Der Pfad wurde noch uriger, gab den Blick auf den uns umgebenden Wald frei und führte schließlich wieder in selbigen hinein.

Wir kamen auf einem ganz urigen Pfad immer tiefer bis ins Tros-Maret Tal. Über eine Brücke ging es über den gleichnamigen Bach, um danach weiter nach links dem Strom flußaufwärts zu folgen. Aber nicht, bevor wir nicht eine erste Pause eingelegt und das herrlich erfrischende Quellwasser genossen hätten.

Der weitere Weg sollte das absolute Highlight der Wanderung werden. Über Felsblöcke (Achtung: manchmal recht rutschig) ging es immer am Fluss entlang hinauf. Besonders steile oder schwierige Stellen sind sogar ganz abenteuerlich mit Stahlseilen gesichert. So stelle ich es mir auch in den Alpen vor. Es war herrlich und wir hatten einen recht angenehmen Aufstieg. Wir entfernten uns vom Fluss und kamen in ein Waldstück. An dessen Waldrand angekommen waren wir uns plötzlich unsicher, da wir unsere Wandermarkierung nicht finden konnten. Wir legten eine kurze Rast ein und ich studierte die Wanderbeschreibung. Wir gingen also ein kurzes Stück zurück und fanden den beschriebenen ‚versteckten Weg und die Holzbrücke‘. Und da war auch unser rot weißes Zeichen wieder zu sehen. Wir gingen weiter durch den Wald, wieder am Fluß entlang. Natürlich wurde auch hier jede Gelegenheit genutzt um ans Wasser zu kommen. Zum Einen, da Jasper & Bonnie ja wahrliche Wasserratten sind und zum Anderen, da Nala so gar keine Wasserratte war und sich ruhig etwas bei den Terriern abgucken sollte.

Es ging weiter durch den Wald. Unser Pfad überquerte einen Forstweg und führte weiter im Wald am Fluß entlang, bis wir plötzlich vor einer Straße standen. Ist ja nicht das schlimmste, aber Manu hatte irgendwie keine Leine mehr für Nala … Nein ! Wir hatten sie irgendwo vergessen oder gar verloren. Wir entschieden uns also dazu, bis zum letzten Rastpunkt zurück zu gehen, in der Hoffnung, die Leine würde dort am Wasser auf uns warten. Aber das tat sie nicht. NEIN! Was nun? In unserer Erinnerung gingen wir alle kurzen Rastplätze durch, die wir angesteuert hatten und entschieden, bis zu dem Punkt zurück zu gehen als wir uns nicht sicher waren wo nun der Weg lang führt. Und siehe da – da war die Leine. Und auch der Reisewassernapf, den Manu daneben hatte stehen lassen 

Nachdem wir nun alles wieder beisammen hatten machten wir uns erneut auf den Weg. Ich witzelte noch, dass wir nun mehr als 9,1km zusammen bekommen würden. An der besagten Straße überquerten wir diese und folgten weiterhin dem rot weißen Balken. Wir liefen immer noch an dem (mittlerweile kleinerem) Fluß entlang. Der Weg ging wieder in den Wald, leicht bergauf, über Steine und Wurzeln und wunderschöne Stege. Natürlich musste hier angehalten und kräftig fotografiert werden.

Wir verließen den Wald und fanden uns plötzlich auf einem Ausläufer des hohen Venn´s wieder. Ich hatte von dem bekannten Hochmoor schon ganz begeistert gelesen. Auf Holzbohlenstegen geht es durch urige Steppenlandschaften.

Allerdings hatte ich das Hohe Venn aus meiner To Do Liste gestrichen, da auf den Stegen keine Hunde erlaubt waren. Hier stand allerdings nirgends ein Hinweis- oder Verbotsschild und wir stapften los.

Zweite Prüfung für den kleinen Straßenhund Nala. Die Bohlen waren sehr ungewohntes Terrain und selbst für unsere kleinen Terrierfüße eine neue Erfahrung. Alle Vierbeiner meisterten den Weg ganz hervorragend.

Wir kamen auf den Stegen wieder in den Wald hinein und ich fragte mich, warum dieses absolute Wanderhighlight nicht in der Routenbeschreibung erwähnt wurde….. Wir studierten also erneut die Wegbeschreibung und stellten fest, dass wir einen dort beschriebenen Punkt gar nicht erlebt / erreicht hatten.

Waren wir etwa falsch? Ein Blick auf das Handynavi bestätigte es – ja wir waren falsch!

Nach 3 Stunden Wanderung war es jetzt von hier aus wieder eine Stunde und knapp 4 um zum Ausgangspunkt zurück zu kommen.

Wir waren falsch! Wir waren sowas von falsch!

Aber wo war der Fehler? Ich fühlte mich schlecht. Ich fühlte mich schuldig.

Manu hatte ihre Wasserration schon aufgebraucht. Meine sonst so perfekte Planung entglitt mir. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Nachdem wir ja schon einmal den gegangenen Weg zurückgehen mussten um Manu‘s Leine wieder zu beschaffen, mussten wir nun erneut den Weg zurückgehen, den wir dann schon zwei Mal gelaufen waren.

Ich las die Routenbeschreibung wieder und wieder und stoplerte immer wieder über den Satz „….der Weg wendet sich über eine Brücke nach links (zuerst ohne Markierung, dann gelbes Kreuz) einem breiten Forstweg folgend….“ Wir hatten bisher nur zwei Brücken überquert …. Wo war die dritte beschrieben Brücke?

Manu navigierte uns derweil mit ihrem Smartphone erneut ein gutes Stück zurück. Die bezeichnetet Brücke war unserer Meinung schließlich gar keine, denn an der weiter oben von mir beschriebenen Stelle „….Unser Pfad überquerte einen Forstweg und führte weiter im Wald am Fluß entlang…“ sollten wir laut Navigation nämlich diesem Forstweg folgen und wenig später erkannten wir auch das gelbe Kreuz.

Die letzte Stunde verlief dennoch wie im Flug, wir machten nochmal fast unbemerkt außerordentlich viele Höhenmeter gut und gelangten schließlich um 18:15h durstig und ein bißchen hungrig zum geschlossene Restaurant. Die 250 Extrameter zum Auto machten wir mit Links, die Hunde durften alle nochmal die letzten Wasserreserven aus dem Auto nehmen und wir machten uns auf, um an der nächstgelegen Tankstelle Wasser für uns zu kaufen.

Alles in Allem war es eine tolle Wanderung, wir haben viel gelacht, viel erzählt und auch ein bißchen viel geflucht. Aber nach 15,7km und 5 ½ Stunden, mit dem höchsten Punkt von fast 600 Metern darf man nicht nur fluchen sondern auch ein bißchen stolz auf sich sein, das man es wieder zurück zum Ausgangspunkt geschafft hat 😉

Das Tros-Maret Tal ist auf jeden Fall einen Ausflug wert und wer der französischen Sprache mächtig ist, kann sich an der Hinweistafel vor dem Ferme Libert eine kürzere Route aussuchen.

Wir fuhren zurück nach Visé, schnackten noch ein paar Minuten in meinem schönen Hof und dann musste sich Manu mit Nala schon wieder auf den Heimweg machen. Es war dennoch ein herrlicher Tag, und auch wenn Manu mir tags drauf von Muskelkater und Blasen an den Füßen berichtete, war und ist sie dennoch gewillt eine erneute Wanderung mit mir und den Wanderterriern in Angriff zu nehmen. Ich überlege schon, die Route vorab schon mal zu laufen um nicht wieder einen falschen Weg einzuschlagen.

Aber ich danke Dir, dass Du dabei gewesen bist und das Du mir vertraut hast (zumindest hattest du mir das Gefühl gegeben).

Bei uns ist aber an diesem Abend auch nicht mehr viel passiert. Wir genossen die Sonne in unserem Hof und ein schönes kühles belgisches Bier.

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Tag 4 / Montag / Entspannung und wilde Pferde

Nach unser wirklich schönen, aber auch anstrengenden Wanderung gestern haben wir den Wochenstart gaaaaanz langsam angehen lassen. Wir haben ausgeschlafen und in aller Ruhe unseren Kaffee im Hof genossen.


Selbst am dritten Morgen zaubert dieser Ausblick mir ein Lächeln auf die Lippen.


Da Temperaturen über 35 Grad gemeldet wurden musste ich meine Reise. bzw. Wanderplanung etwas über den Haufen werfen und mir schnell neue Ausflugsziele einfallen lassen. Das war natürlich gar nicht schwer, hatte ich doch schon vor meiner Abreise zig POI auf meiner Map gespeichert. Da wie erwähnt ein heißer Tag vorraus gesagt wurde und uns allen drei nach eher kurzen Runden war, fuhren wir mit dem Auto ins ca. 15 Minuten entfernte Eijsden.

Wer unsere Instastory schon gesehen hat, weiß, dass wir das kleine Paradies auf Erden gefunden hatten.
Geparkt haben wir auf dem öffentlichen und kostenlosen Parkplatz in der Catharinastraat, da ich nicht so ganz sicher war, ob es direkt vor dem Eingang ausreichend Parkplätze gab und ein bißchen Laufen wollte ich ja schon noch. Wir liefen also diese wunderschöne Allee hinunter.


Kurz nach dem Yachthafen dann die Erkenntnis: der Parkplatz ist groß genug und ebenfalls kostenfrei 😉


Am Tor wird man schon darauf hingewiesen, was einen hier erwartet und was von einem selbst erwartet wird. Also liebe Holländer, es tut mir leid, aber manche Dinge klingen in eurer Sprache wirklich herzlich witzig 😉


Wir betraten den Park durch das Gatter, wählten gleich den ersten Pfad nach rechts und sahen sofort warum hier unbedingt Leinenpflicht herrschen muss.

Wir kamen aus dem kleinen Waldstück hinaus in eine tolle maritime Flora Fauna Landschaft.

Auf der einen Seite quakten die Frösche im See lautstark um die Wette.

Auf der anderen Seite segelten kleine und größere Yachten über den Nebenarm der Maas. Einige gingen am Ufer zu Anker und genossen die Ruhe, angelten, saßen lustig zusammen oder einfach nur rum. Einige trauten sich sogar ins Wasser – ja, auch die Zweibeiner.
Für die Vierbeiner gab es dort auch die ein oder andere Möglichkeit das erfrischende Nass zu genießen.


Wir waren vielleicht etwas spät dran, denn jede Bucht die eine Sitzmöglichkeit und den Zugang zum Wasser hatte war leider schon belegt. Wir spazierten also weiter. Als wir quasi auf der rechten Seite des Parks alles gesehen hatten, liefen wir etwas oberhalb der Maas auf freiem Gelände in die andere Richtung des Parks. Auch hier waren alle Plätze mit Zugang zum Wasser schon belegt. Ein paar Meter weiter fanden wir dann zumindest noch ein kleines Fleckchen an dem die Hunde baden gehen konnten.


Wenn man nicht unbedingt bei 36 Grad dort spazieren geht ist das auch nicht weiter schlimm ;). Die Gänse und Enten in dem großen See fanden die Hitze wohl nicht weiter schlimm, aber wenn ich die Füße und den Po ständig im Wasser hätte würde ich vermutlich auch nicht über zu heißes Wetter meckern/schnattern 😉

Wir liefen bis zum Ende des Parks, ein kleiner Hafen und eine ( 🙁 geschlossene!!) Wirschaft. Also drehten wir wieder um und gingen den Weg hinter dem See entlang, den wir vorhin noch zu unserer linken hatten. Hier gaben uns ein paar Bäume wenigstens etwas Schatten und der kleine Hase, der aus dem Gebüsch hoppelte erinnerte noch einmal daran alle Jäger bitte anzuleinen. Als wir aus dem kleinen Waldstück kamen wurden wir dann noch mit diesem tollen Anblick belohnt.


In dem Reservat sollen auch wilde Rinder leben, die sicher auch gerne mal baden, sich heute aber vermutlich gut im Schatten unter den Bäumen versteckt hielten.

Ich nahm unsere kleine faltbare Reisedecke, die ich immer im Rucksack dabei habe, heraus und wir saßen circa eine Stunde im Schatten der Bäume und beobachteten die badenden und sich im Dreck wälzenden Wildpferde.

Die Hunde bekamen irgendwann Langeweile und sicher auch Hunger, so wie ich, also machten wir uns auf den Weg zum Auto. Ich hatte zu Hause schon diverse Einkaufsmöglichkeiten abgecheckt und so fuhren wir zum nahegelegenen Aldi. Die Discounter Aldi und Lidl sind hier weit verbreitet. Zwei Carrefour in der Nähe kann ich leider nicht ansteuern, da der eine echt riesig ist und ich sicher länger als 10 Minuten für den Einkauf bräuchte und man vorher nie sagen kann, ob es Parkplätze im Schatten gibt und der andere hat erst gar keinen eigenen Parkplatz…..

Kommen wir nun zu einem Thema über das ich mir im Vorfeld gar nicht so wahnsinnig viele Gedanken gemacht hatte, da ich ein paar Dinge für die Küche von zu Hause mitgebracht hatte – vegan essen in Belgien bzw. Holland. Und Leute, ich muss sagen, es geht. Bisher hatte ich noch nicht die Gelegenheit auswärts zu essen, das hängt zum einen daran, dass es mittags einfach viel zu heiß ist um etwas zu essen und zum andern, das wir bisher immer erst gegen 17 Uhr zurück nach Hause kamen und ich dann einfach keine Lust mehr hatte noch einmal ins Auto zu steigen. Das ist nämlich hier der große Nachteil …… Richelle liegt, wie eingangs schon mal erwähnt auf einer Anhöhe. Die nächst größere Stadt Visé ist zwar nicht sooo weit entfernt, aber so wie ich mir das dachte „…..fährst schön mit dem Fahrrad rum….“ funktioniert das leider nicht.

Merke als für die nächste Reise: in der Reiseplanung unbedingt auch die topgrafischen Gegebenheiten mit einbeziehen!!!!

Zurück zum einkaufen, wer der französischen Sprache mächtig ist hat hier natürlich einen enormen Vorteil. Gut, bei vielen Dingen ist es auch einfach heraus zu finden, was es ist (Thema Obst & Gemüse). Die, scheinbar europaweite Allergieverordnung oder was auch immer, hilft da aber auch ungemein. Wenn also auf dem Aufstrich in fetten Lettern etwas von ‚melk‘ steht, ist auch mir ganz klar: nicht vegan.

Heute gab es also ganz vegan Gemüse und ein niederländisches Amstel 😉

Am Abend habe ich mir dann noch ein paar Gedanken dazu gemacht, wie ich denn meine Reisplanung verändere da es ja nun so heiß bleiben soll. Ich wollte eigentlich ganz gerne noch einmal nach Maastricht City, ob ich da aber bei 36 und mehr Grad so viel Lust dazu habe, wird sich zeigen. Für den morgigen Tag habe ich mir auf jeden Fall etwas tolles einfallen lassen.

 

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Tag 5 / Dienstag / Durch den Nationalpark Hoge Kempen

Wie schon weiter oben erwähnt, hatte ich nicht mit derart heißen Temperaturen gerechnet und musste einige Wanderrouten von der To-Do-Liste streichen. Auf eine Wanderung hatte ich mich extrem gefreut, da sie aber überwiegend über offenes Gelände oberhalb der Maas entlang führt und ich keinen Sonnenstich für mich oder die Hunde herbeiführen wollte, entschied ich mich anders.
Eine wunderschöne Wald- / Wanderlocation hatte ich auch vorab schon gesucht und gefunden: Den Nationalpark Hoge Kempen. Ein riesengroßes Waldgebiet, mit Steppenflächen, Seen und Sehenswertem an den verschiedenen Zugangspunkten.
Auf der Website des Parks bekommt man eine gute Übersicht was an welchen Punkten geboten wird. Für Kinder gibt es hier auch eine ganze Menge zu erkunden.
Ich entschied mich für den Zugangspunkt Pietersheim. Da man durch den Park auch fietsen, also Fahrradfahren kann, nahm ich Fahrrad und Hundetrailer mit. Der Parkplatz ist recht einfach zu finden und großzügig. Nachdem ich unterwegs noch eine sehr günstige SB-Tankstelle gefunden hatte (1,24€ gegen den sonst hier üblichen Preis von 1,32 – 1,50 pro Liter Diesel) und meine Kenntnisse in holländischer Sprache wieder etwa aufbessern konnte, war ich ca. das siebte oder achte Auto auf dem großen Parkplatz. Beim sehr einfachen und schnellen Aufbau des Hundetrailers quatschte uns gleich ein Gassigänger an – auch hier wieder: alle sehr nett und jeder spricht ein bisschen deutsch – und wollte sich sogleich auch so einen tollen Hundeanhänger besorgen.

An der großen Übersichtskarte musste ich erst einmal ein paar Minuten verweilen um zu wissen wo ich gerne hin wollte und entschied mich dann, wie immer, für die längste Strecke…hatte ja schließlich auch das Fahrrad dabei. Wegmarkierung war das rote Dreieck um dann später an einer Abzweigung auf das gelbe Dreieck zu gelangen. Dann also mal los ……


Der Eingang über die Domäne Pietersheim (mit Tiergehen und Bistro) war für Fahrradfahrer gesperrt, also fuhren wir andersherum los. Und kamen schon nach 200 Metern zu einer Sackgasse, zumindest für das Fahrrad. Der Schotterweg endete am Waldrand und wurde zu einem Holzbohlensteg auf den gerade mal so ein Fahrrad hätte fahren können. ‚Macht nix‘ dachte ich mir, schließlich gibt es ja nicht nur einen Weg nach Rom. Wir radelten erneut zur Übersichtskarte zurück, machten sogleich sicherheitshalber mal ein Foto und schlugen den Weg mit dem grünen Balken ein. Hier war der Weg zwar breit und für Fahrräder durchaus befahrbar aber ich machte mir schon Gedanken ob das mit dem Hundetrailer so eine gute Idee war. Der Weg bestand aus recht losen Geröllsteinen und der Trailer hinter mir rumpelte darüber hinweg. Als ich schon das Handtuch werfen wollte kamen wir um die Ecke in einen wunderschönen Streckenabschnitt und ich entschied mich, weiter zu fahren.


Da uns bisher noch kaum jemand begegnete ließ ich die Hunde aus dem Trailer und langsam neben mir her traben.

Um es gleich schon mal zu erwähnen: Kann man den Park mit dem Fahrrad erforschen: kann man machen !

Sollte man den Park mit Fahrrad und Hundetrailer erforschen: Sollte man NICHT !!!

Ich hatte mich entschieden weiter zu fahren und das tat ich auch, aber ich bereute es. Der Trailer machte Krach bei jedem Stock und Stein über den er fuhr. Jede kleine Steigung macht sich unglaublich stark bemerkbar und wenn die Hunde noch drin sitze hat man das Gefühl, jemand hätte hinten die Bremse angezogen sobald es nur ein kleines halbes Prozent Steigung im Gelände gibt. Breite Wege wechselten sich ab mit kleinen bewachsenen oder überwurzelten Pfaden. Im Nachhinein hätte ich sicher mehr Freude am Nationalpark gehabt, wenn wir ihn duchwandert hätten.

Da es im Park frei lebende Hasen und Rehe gibt, und Hunde somit an die Leine gehören, gibt es extra ausgewiesene Hundefreilaufflächen, die sogar Teil der Route sind. Das ist echt toll gemacht.

Wir durchquerten also so eine eingezäunte Freilauffläche und standen, als wir wieder herauskamen vor dem jähen Ende unsrer Tour……


Hätte ich auf mein Bauchgefühl schon am Anfang hören sollen? Hätte ich nach den ersten 200 Metern Fahrrad und Trailer ins Auto werfen und den Park zu Fuß erforschen sollen? Hätte Hätte …. Jetzt war ich hier und ….. kehrte wieder um. So schön und so groß der Park auch ist, es gibt feste Wege um von A nach B zu gelangen und wenn es für uns dort kein Weiterkommen gab, dann war das so.

Wir fuhren den bereits zurückgelegten Weg also wieder zurück, kurz vor dem Parkplatz gab ich mich allerdings der Neugier wieder hin und fuhr weiter. Und: es hat sich gelohnt. Wir fanden als erstes einen kleinen Teich in dem sich die Vierbeiner erfischen konnten. Gut, zugegeben, es war ein Angelteich und Jasper ist beim Trinken von Rand hineingefallen. Aber er war erfrischt. Da ich nicht wusste, wann es wieder die Möglichkeit für ein Bad gab, ‚fiel‘ auch Bonnie beim Trinken ins Wasser – ooops 🙂

Wir fuhren um den Angelsee herum und machten einen Abstecher beim Wasserschloss Auch hier wechselten sich breite, gut zu befahrende Waldwege und kleine Wanderpfade ab, so dass ich das Fahrrad-Trailer-Gespann sogar kurzzeitig schieben musste.

Wir folgten der Markierung zu unserem Ausgangspunkt, dem Kinderboederij Pietersheim, zurück machten ein paar neue Bekanntschaften mit den Bauernhoftieren.

Der Zugangspunkt Pietersheim bietet mit seinem großen Spielplatz und den vielen Tiergehegen ein tolles Ausflugsziel für Kinder.

Was ich allerdings nicht so toll fand, war die Unterbringung von ‘Lotte & Giel’. Auszug aus der Internetseite: ‘Das Haus von Lotte & Giel ist ein Kleinviehstall mit 20 einheimischen Rassen von Kaninchen und Geflügel…’ allerdings fand ich die Unterbringung der Tiere doch sehr nicht-artgerecht 🙁

 In der Hoeve Pietersheim machten wir noch eine kurze Rast und ich probierte mich ein weiteres Mal durch die Welt der belgischen Biere.

Fazit: zum Wandern ist der Park wirklich sehr schön, zumal man zu Fuß auch sicher mehr als zwei Mal die gleiche Strecke zu sehen bekommen wird, zum Fahrradfahren sollte man sich andere Stellen in Holland oder Belgien aussuchen.

Ich hatte mir übrigens eine Urlaubslektüre mitgenommen, zu der ich im Alltag bisher noch nicht gekommen war – Is’ was Dog von Dunja Hayali. Sie beschreibt in dem Buch herrlich amüsant wie man vom Nicht-Hundebesitzer zum Herrchen respektive Frauchen wird. Es ist wahnsinnig unterhaltsam, manchmal schonungslos ehrlich und oft erkenne auch ich mich an einigen Stellen. Ich möchte, gerade weil es für heute so passend ist eine Stelle daraus mit euch teilen:

“…..Ich hoffe, das Emma nicht lesen kann, denn sonst käme für sie an dieser Stelle eine wirklich schreckliche Wahrheit ans Licht: Nein, es macht mir keinen Spaß, diesen schlammigen Ball hundertmal hintereinander in den Kanal zu werfen und ihn mir anschließend von ihr wieder vor die Füße legen zu lassen! Ich tue das nur, weil es ihr Spaß macht…….Ich mache all das für Emma. Weil sie auch nach drei Stunden in einer selbst für Menschen langweiligen Konferenz immer noch mit dem Schwanz wedelt wenn man sie anspricht. Ich mache es, weil ich finde, dass man ein Team bildet mit seinem Hund und man sich auf die Interessen des anderen einstellen muss….Wenn Sie also Ihren Hund zur Teilnahme an Ihren Hobbys zwingen, dann ist es nur fair, wenn Sie auch seine Hobbys teilen, selbst wenn sie Ihnen völlig sinnfrei erscheinen…..”

Und genau aus diesem Grund, da der Tag bisher für die Vierbeiner ja nicht so spannen ablief musste auf die Schnelle noch etwas her, wo sie sich austoben konnten. Bei 37 Grad musste das natürlich mit Wasser zu tun haben. Gut, dass ich bereits im Vorfeld mir wichtige Punkte auf meiner Map im Smartphone gespeichert hatte und ließ mich zum 10 Minuten entferntem Natuurgebied Maasvallei navigieren. Wie fast überall hier in Holland leben auch hier auf extra eingezäunten Weideflächen an der Maas oder an Nebenarmen der Maas Rinderherden. Und wie überall wird man gleich am Eingang darauf hingewiesen bitte genug Abstand zu den Tieren zu halten. Das war am heutigen Tag gar nicht schwer, die Herde stand nämlich mitten im Wasser. Und so taten wir es ihnen gleich.

Wir tobten eine Weile im Wasser, ich zog mir einen kleinen Sonnenbrand zu und genossen den Abend dann später wieder in unserem schönen Hof.


Die Nacht über war es allerdings in dem Dach des alten Bauernhof so heiß, dass ich mit Sack und Pack ins Wohnzimmer zog und dort schlief. Selbst die Hunde fanden keinen ruhigen Schlaf. Unsere Freunde waren im Mai an der Nordsee und hatten durchweg Regenwetter und wir haben hier eine unglaubliche Hitze, dass man sich schon fast nach einem kleinen Schauer sehnt…..

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Tag 6 / Mittwoch / Eine Steinbrücke, viel Wasser und viele Wildpferde

Den schönsten Tag unseres Urlaubs hier zu dritt hatten wir defintiv heute. Ich hatte, wie schon ein paar mal erwähnt, nicht damit gerechnet, dass es hier solche Spitzentemperaturen geben würde. Und so musste ich ein paar geplante Wanderungen für einen späteren Urlaub aufschieben und etwas suchen, dass uns ans bzw. ins Wasser bringen würde. Ursprünglich hatte ich geplant ans Meer zu fahren – wer 300km in den Urlaub fährt, der kann auch noch 200km weiter fahren um ans Meer zu kommen….logisch, oder?! Als ich gestern in die Wetterapp guckte und uns Temperaturen von bis zu 38 Grad vorhergesagt wurden, suchte ich nochmal die Route zum Hundestrand in bei Ostende heraus. ‘Check doch dort nochmal das Wetter’ sagte mir meine innere Stimme und das tat ich ….. und entschied mich gegen den Besuch am Meer. Höchsttemperaturen von gerade mal 22 Grad??? Und dafür extra 200km durch Belgien fahren? Och nöööö! Ich suchte also über meine geliebte Google Map nach Wasser und fand nicht nur eine Erfrischung.

Geparkt haben wir an dieser wunderschönen 300 Jahren alten Mühle. Der Parkplatz ist groß und direkt gegenüber befindet sich das Tor zum Landschaftsschutzgebiet. Wie an so vielen Stellen in Holland ist auch dieses eingezäunte Areal Heimat für wild lebende Rinder, Pferde und unzählige Vogelarten. Schon am Tor erinnert uns wieder ein Schild daran, Hunde anzuleinen und mindestens 25 Meter Abstand zu den dort lebenden Tieren zu halten. Dass das am Ende der knapp zwei stündigen Wanderung rund um den Mühlensee gar nicht so einfach ist, erfahrt ihr später.

Der Molenplas, der Mühlensee oder auch Maas-See entstand aus dem letzten traditionellen Kiesabbau. Diese Bäume, oder das, was von ihnen noch als Baum zu erkennen ist, sind sage und schreibe 2000 Jahre alt. Beim Kiesabbau, in dessen Rahmen der See entstand, wurden diese schwarzen Eichen entdeckt. Zur Erinnerung an frühere Zeiten wurden sie hier als Denkmal (und schönes Photomotiv für kletterfreudige Terrier) platziert.

Wir folgten also dem Weg um den See herum gegen den Uhrzeigersinn. Der Pfad führt über eine idyllische Holzbrücke, durch blühende Wiesen und Felder. Insekten schwirren durch die Luft, Enten und Gänse schnattern am Rand des Sees – kurzum, es ist herrlich hier. Einziges Manko ist die Straße, die uns relativ lange direkt neben dem Landschaftsschutzgebiet begleitet. Der Pfad führt uns kurz zu dieser Straße, der wir 20 Meter nach links folgen müssen um wieder ins Schutzgebiet zu gelangen.

Wir entfernen uns etwas vom Wasser und nähern uns ihm wieder an. Es ist wirklich idyllisch hier und bisher ist uns niemand begegnet.

Jasper entschloss sich kurzerhand für eine Spa-Behandlung – Algen sollen ja gesund sein 🙂

Nach etwa einer Stunde kamen wir zu dieser schönen Kulisse. Eine Steinbrücke. Achtung bitte: je nach Jahreszeit können die großen Findlinge nass und rutschig sein. Außerdem kann es vorkommen, dass man nasse Füße bekommt, was aber bei den heutigen Temperaturen durchaus nicht weiter schlimm ist.

Wir genossen die Zeit hier und legten eine kleine Rast ein.

Wie gut, dass ich mir vorher noch extra ein paar Wandersandalen besorgt hatte 😉

Wir wanderten weiter und kamen zu einer schönen Aussichtsplattform von der man die Wasservögel gut beobachten kann. Vergesst nicht, in unser Insta-Story-Highlight ‘Belgien/Holland’ zu gucken, da gibt es immer passenden Kurzvideos zu unseren Ausflügen!

Der Weg führte weiter durch Felder und Wiesen zum Ausgangspunkt zurück. Unterwegs konnten wir eine Herde Wildpferde im Schatten einiger Bäume dösen sehen. Gleich gegenüber vom Eingangstor des Landschaftschutzgebietes gibt es eine Erhöhung mit Rastplatz.

Hier ließen wir uns nieder und genossen einfach die Sonne, die Zeit und den Ausblick.

Die Gruppe Wildpferde kam aus ihrem schattigen Versteck, machte einen Abstecher am Wasser und graste dann die Wiesen ab.

Hatte ich schon erwähnt wie herrlich und ruhig es hier ist…….

Die Pferde kamen immer näher und grasten nun schon am Fuße unseres Hügels. Ich ließ die Hunde im Schatten dösen und setzte mich auf die Treppe, die hinab führt.

Dieser kleine Frechdachs hier lag lange faul im Gras herum, stand irgendwann auf und kam unvermittelt auf mich zu.

Nachdem er mich ein bisschen abgeschnüffelt hat, versucht hat mir ins Knie zu knappen wurde er neugieriger und lief weiter hoch. Auch hierzu gibt es ein tolles lustiges Video in unserer Insta-Story!

 

Jasper war wenig beeindruckt und ließ sich beschnüffeln. Bonnie waren die großen Vierbeiner etwas suspekt und ich brachte sie auf dem Tisch ‘in Sicherheit’.

Nach und nach folgte der Rest der Herde und wir standen auf einmal mitten in der Horde Wildpferde. W I L D P F E R D E – ich war unglaublich aufgeregt, unglaublich happy und unglaublich fasziniert, alles in einem.

Gut, wir waren ja nicht die ersten Besucher dieses Reservats hier und die Pferde waren sicher schon an die Besucher gewöhnt, aber ich fühlte mich wie eine 12jährige. Es gab einen Hengst, der Chef der Horde, er war etwas größer und breiter als die anderen. Er schien sich wenig für uns zu interessieren, graste genüsslich neben uns, ich ließ ihn aber dennoch nicht aus den Augen. Die anderen (Stuten mit ihren Fohlen) interessierten sich entweder überhaupt nicht für uns oder aber schnüffelten an allem herum. Mein Rucksack, die Hundeleine alles musste erschnüffelt werden.

Auch ich, obwohl ich mich bewegte war anscheinend interessant genug um ausgiebig beschnüffelt zu werden. Es war einfach ein Wahnsinns Gefühl und obwohl ich sicher stunden dort hätte sitzen können, musste ich mich irgendwann verabschieden.

Der Weg entlang der Mühle ist sicher eine wunderbare Strecke zum fietsen!

Ich wollte in der Brasserie der alten Mühle etwas essen oder trinken, laut Internet sollte sie geöffnet haben ….. sollte …. tja, hatte sie aber nicht. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen. Wer hinfahren möchte, sollte es einfach mal probieren.

Ich fuhr 10 Minuten mit dem Auto nach Stevensweert hinein und genoss ein holländisches Weizen in einem schnuckeligen Biergarten mit Minigolfanlage.

Ich ließ die letzten zwei Stunden noch einmal Revue passieren, erfreute mich an dieser einzigartigen Erfahrung und meinen braven Hunden. So ein kleiner Rudelurlaub schweißt ungemein zusammen. Außerdem ist so ein Urlaub alleine auch eine ganz besondere Erfahrung. Da ist zum Einen natürlich die Tatsache, dass man alles alleine tun und entscheiden kann und zum Anderen, dass man alles alleine tun und entschieden muss.

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Tag 7 / Donnerstag / Sehenswürdigkeiten & Sightseeing

Nachdem wir gestern wieder so einen tollen und vor allem heißen Tag hatten, war für heute nichts spektakuläres geplant. Heute stand einfach nur Sihtseeing auf dem Plan. Zuerst wollten wir uns das berühmte Fort Eben-Emael anschauen. Ich hatte es in einigen Reiseberichten gelesen und außerdem als Tipp eines Belgiers mit dem wir auf Instagram befreundet sind bekommen. Nachdem wir, wie immer, erst einmal ausgeschlafen und ausgiebig gefrühstückt hatten sind wir Richtung Maastricht gefahren. Einen großzügigen Parkplatz gibt es direkt vor dem Fort (ins Navi hatte ich ‘Rue du Fort 32’ eingegeben).

Das Fort ist ein fast schon etwas unscheinbares Stück Beton in einem Felsen. Das Tor stand auf und wir sind einfach mal hineinspaziert. Der Weg sieht unheimlich aus und es stinkt nach Moder und Schimmel.

Wir haben uns ein ganzes Stück hinein getraut, vom Inneren hörte ich Stimmen. Unser Weg endete an einer Kreuzung. Auf der rechten Seite eine Schulklasse bei einer Führung. Vor uns ein Schaukasten mit Soldaten und Gerätschaften der vergangenen Zeiten. Zu unserer Linken auf einmal ein älterer Herr, der uns etwas auf Französisch entgnete. Auf mein ‘Entschuldigung, ich war nur neugierig’ (auf deutsch) guckte er mich ungläubig an. Ich versuchte es auf englisch, hatte auch keinen Erfolg und zog wieder ab. Zugegeben, eine Führung hätte ich dort auch nicht machen wollen. Der Gestank nach Moder war ziemlich fies in der Nase und den wollte ich den Hunden nicht länger zumuten.

Draußen vor dem Fort gibt es eine Wandertafel. Ich folgte dem Wanderzeichen und hoffte, der Runde würde schon keine 10+ Kilometer haben. Ich hatte zwar auch im Netz tolle Wanderungen in der Gegend gefunden, die waren mir heute aber mit 10 bzw. 18k etwas zu lang. Hier findet ihr die große, hier die kleine Tour.

Links neben dem Eingang zum Fort ging es einige Meter steil bergauf. Oben angekommen fanden wir uns auf einer riesengroßen Wiese wieder.

Wir kamen durch ein metallisches Tor auf ein Feld. Bevor wir kurze Zeit später, dem Wanderweg nach links folgen sollten, machten wir noch einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt, der zwar nicht sonderlich spektakulär war, dafür aber einen schönen Blick auf die Maas bot.

 Wir liefen wieder zurück und folgter der Wandermarkierung weiter. Wir kamen wieder in den Wald. Hier und da tauchte immer mal wieder ein Bunker auf.

Die Strecke scheint nicht besonders beliebt, manche der Trampelpfade sind so mit Brennnesseln zugewachsen, dass ich froh war lange Hosen gewält zu haben.

Außerdem waren dort extrem viele Ameisen unterwegs und hielt man nur kurz inne, wurde man sofort von ihnen ‘angegriffen’. Nach ca. einer Stunde kamen wir gut 200 Meter neben dem Fort heraus. Die Wandermarkierung zeigte nach rechts, wir fanden den Weg aber ehrlich gesgt sehr unspektakulär, fast schon langweilig, daher bogen wir wieder Richtung Fort ab.

Gleich gegenüber vom Fort gibt es eine total süße Creperie, allerdings hatte ich gut gefrühstückt und hätte beim besten Willen keinen Pfannkuchen herunterbekommen, was ich dann doch sehr schade fand.

Da der Tag noch jung und unsere Sightseeingliste lang war, machten wir uns auf zum POI. Auf dem Weg dahin kamen wir sogar noch an dieser unglaublichen Burg vorbei. Ich hatte sie von der Straße aus schon gesehen und musste unbedingt einen Abstecher machen. Was das genau ist, habe ich leider nicht herausgefunden, nur so viel steht fest: das ist ein Museum.

Das nächste Highlight wartete plötzlich am Straßenrand auf uns. So einen Autmaten haben wir an unserem örtlichen Bauernhof auch. Dort kann man frische Eier und Dosenwurst, im Frühling auch frischen Sparel kaufen. Dieser belgische Automat übertraf allerdings alles. Frische Erdbeeren, Kirschen, sogar Joghurt und Milch gab es dort.

Unser nächstes Highlight wurde uns von einem echten Belgier empfohlen. Unser Instagram Freund @ouimbeard hatte zwar nicht die Gelegenheit uns zu treffen, schickte uns aber an dieses wundervolle Schloss – Alden Biesen in Bilzen.

Leider wurde gerade im Hof saniert oder gebaut und wir mussten uns mit einem Blick auf die Außenfassaden begnügen. Durch wundervolle Felder hat man die Möglichkeit auf vielen verschiedenen Wanderwegen die Umgebung zu erkunden.

Wir machten uns nach einer ausgiebigen Runde wieder auf den Heimweg, am Abend wollten wir nämlich noch unbedingt nach Maastricht City.

Wenn man von außerhalb mit dem PKW anreist, ist es sinnvol sich schon vorher ein Parkhaus auszusuchen. Es gibt relative viele Parkmöglichkeiten rund um den Stadtkern von Maastricht. Parkhäuser oder große, teils auch überwachte, Parkplätze. Die Kosten für´s Parken schrecken einen Städter jetzt nicht unbedingt ab.  1€ für eine halbe Stunde ist aber schon eine Ansage. Wir  haben uns im Vorfeld schon eine Route ausgeguckt, da ich ja mit den Hunden jetzt nicht nur durch die Straßen und Gassen der City laufen wollte.

Unser Parkhaus und Ausgangsunkt war das Q-Park de Griend, von dort aus ging es entlang der Maas bis zur Hoge Brug, wir passierten kleine romantische Gassen und stellten hier schon fest: Maastricht isst & trinkt gerne. Entlang der Promenade gab es schon zig kleine und größere Cafes, Brasserien & Restaurants – und alle Tische waren belegt.

Wir kamen am Helpoort, dem Tor der ehemaligen Stadtmauer an und machten einen Gang durch den Stadspark (Maastrichts kleiner Central Park). Teiche, Wiesen, Enten, sogar Kunst und vor allem viele junge Menschen. Auf jedem Fleckchen Grün wurde gesessen, gelacht, gespielt, gegessen oder sogar musiziert.

Wir statteten d’Artagnan einen Besuch ab und suchten uns einen Weg in die Innenstadt.

Wir schlenderten durch die kleinen Gassen und kamen an der großen Universität vorbei und nun wusste ich auch, warum Maastricht so unglaublich JUNG ist. Auch in der Stadt gibt es unzählige Möglichkeiten zu sitzen, zu qautschen und zu speisen. So zahlreich die Möglichkeiten auch sind, so viel Glück muss man manchmal haben einen  Platz zu bekommen. Ich entschied mich, den Hunden nicht noch mehr Statdt zuzumuten und wir gingen Richtung Wasser zurück. An der Prommenade unweit der St. Servatius-Brücke haben wir dann noch einen Platz gefunden und konnten eine Weile hier sitzen, hören und gucken und natürlich ein holländisches Bier genießen.

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Tag 8 / Freitag / Abfahrt / Friday for Future

Der letzte Morgen war gekommen. Wir machten noch eine große Runde in den Feldern rund um Richelle, ich packte alls zusammen und natürlich ganz wehmütig ein letztes Foto. Die Unterkunft war jetzt keine 5 Sterne Ferienwohnung, und Stechmücken gibt es im Sommer sicher überall, aber es war unglaublich schön und ich kann jedem den Hof van Aken nur empfehlen. Die Vermieter sind unglaublich nett, lassen einen aber auch in Ruhe seinen Urlaub genießen. Mit Partner oder Freund/in ist es auch noch einmal etwas ganz anderes. Jetzt weiß ich gar nicht, ob ich es Anfangs erwähnt hatte: ich musste eine Kaution von 150€ in bar mitbringen. Auch die Reinigungspauschale zahlte ich bei Anreise in bar. Einzig die Miete für die gebuchte Woche habe ich im Vorfeld überwiesen. Meine Kaution habe ich am Abreisetag nicht wieder bekommen, denn ich habe sie nicht einmal eine Woche später abzüglich meiner vebrauchten Energie- und Wasserkosten (10€) wieder auf mein Konto bekommen.

Der letzte Tag, Freitag, sollte noch Gelegenheit bieten um einen Abstecher zu machen. Seit Monaten wird der Freitag als #fridayforfuture von Menschen allen Alters genutzt um Aufmerksam zu machen. Den Demo-Freitag kenne ich auch schon seit vielen vielen Wochen. Was ich schon länger ‘kannte’, bisher aber nie Gelegenheit bekam es mit eigenen Augen zu sehen, war bzw. ist der Braunkohle Tagebau Hambach oder auch Etzweiler, das Loch, der blinde Fleck Deutschlands, ein Streitpunkt und Streikpunkt. Vor Jahren schon hatte ich eine Reportage im Fernsehen gesehen, bei der dieses riesige Loch aus der Vogelperspektive gezeigt wurde. Sieht man sich das Bild in Google Maps an, scrollt etwas hinaus bis man die Stadt Köln auch auf dem Bildschirm hat, wird einem bewusst, wie unglaublich riesig dieses Loch ist.

Zum #futurefriday wollte ich Hambi, dem Hambacher Forst einen Besuch abstatten und jedem das Ausmaß dieses Werks zeigen, der es noch nicht kannte.

Was mich persönlich überrascht hat, dachdem ich tief schockiert von wahren Ausmaß des Lochs war: RWE hat mit Terra Nova ein Renaturierungsprogram gestartet, bei dem angeräumte Flächen des Tagebaus wieder der Natur zurück gegeben werden.

Klar, das ist ein heikles Thema – auf allen Seiten. Da stehen Arbeitsplätze und Wohnräume und die Natur auf dem Schachfeld. Wer macht den nächsten Zug? Trifft es einen Bauern oder einen Springer oder gar einen König?

Klar für mich ist: die Massen, die dort abgeräumt werden sind nicht normal. Die Zahlen sind schier nicht zu begreifen. Wir berauben unseren Heimatplaneten seine Erdschätze und lassen, wenn wir alles wichtige und für uns wertvolle rausgeklaubt haben, einfach Gras über die Sache wachsen und denken, das war es dann.

Ein ganzer Wald und auch schon bald ein ganzes Dorf wird dem Erdboden gleich gemacht um die Erde unter den Wurzeln, unter den Häusern nach ‘wertvoller’ Braunkohle zu durchforsten. Es ist ein Wunder der Natur, dass auf den abgeräumten Flächen bereits schon wieder Grün zu sehen ist. Wer sich die Schaufelräder und Maschienen dort unten anschaut denkt sich doch ‘da wo die wüten, da wächst kein Gras mehr’.

Das Schaufelrad des Baggers 291 ist mit 18 Schaufeln besetzt. Es hat einen Durchmesser von 22 Metern und ist damit so hoch wie ein siebenstöckiges Haus. Damit das Großgerät täglich 240.000 Kubikmeter Abraum oder Kohle aus dem Erdreich gewinnen kann ist eine Antriebsleistung von über 3.300 Kilowatt (mehr als 4.500 PS) nötig…….

Im Tagebau Hambach arbeiten die größten Bagger der Welt: Sie sind 220 Meter lang, 96 Meter hoch und 13.500 Tonnen schwer. Sie können taglich 240.000 Tonnen Kohle oder Kubikmeter Abraum fördern – genug um ein Fußballstadion 30 Meter hoch zuzuschütten.

Aber die Natur ist stark und sie wird wieder kommen. Allerdings dauert das gut hundert mal so lang, wie es gedauert hat, alles zu entwurzeln und zu entreißen. Wusstet ihr, dass Fichten pro Jahr nur etwa einen halben Meter wachsen? Sie sind somit erst nach 80 – 120 Jahren ‘ausgewachsen’.

Klar für mich ist auch: so kann es aber nicht weitergehen. Okey, das sage ich jetzt, mit meinem Smartphone in der Hand, was ich eben beim Fahren im Auto nochmal eben nachgeladen habe. Das sage ich jetzt, gerade am Laptop sitzend, das Stromkabel steckt denn der blöde Akku kackt manchmal ab. Neben mir spielt Musik aus einem Lautsprecher. Ich habe eine kleine Licherkette an (Stimmungslicht). In der Küche brummt der Kühlschrank und die Waschmaschiene wäscht gerade Handtücher. Ein Nachbar unter mir guckt die Tagesschau – ich kann es hören. Auf der Straße fahren Autos, Busse, LKW’s….. ja so kann es nicht weitergehen.

Aber was tun? Energie sparen! Ich mache die Lichterkette aus, irgendwie aber auch nur für´s Gefühl. Den Kühlschrank brauche ich und die sauberen Handtücher auch. Und mit dem Auto muss ich auf Arbeit, zum einkaufen, etc….

Ich gebe zu, ich habe keine Idee. Aber ich weiß, es gibt Menschen, die haben Ideen und die werden ausgebremst. Ausgebremst von der Politik, von den Lobbyisten, von Andersdenkern. Ich mache nicht nichts! Ich sitze hier und schreibe und erzähle euch davon. Wusstet ihr das alles schon? Nein? Dann seid ihr jetzt dran und könnt mit eurem Wissen etwas tun, etwas verändern, etwas bewirken. Ihr wusstet das schon? Und habt bisher nichts gemacht? Macht nichts! Jetzt! Tut jetzt etwas! Erzählt anderen davon. Geht zu Wahlen. Unterschreibt Petitionen. Schließt euch Unternehmungen oder Demos an!

Puh, das war hart  ….. aber es stimmt!

Hart war auch der Weg für uns, für mich zum Hambacher Forst. Ich wollte unbedingt in den  Wald, durch den Wald. Aber das ist gar nicht so einfach. Die ehemalige Landstraße, die mal ursprünglich durch den Wald geführt hat gibt es so nicht mehr. Die Straße ist noch vor dem Wald gesperrt, klar, gibt es am anderen Ende ja auch kein Hinaus mehr.

Auf unserer Instagramseite haben wir extra ein Highlight mit all den Videos zum Besuch erstellt – guckt da unbedingt rein.

Dort sehr ihr auch das Video der Geisterstadt. Als ich die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, schuchte ich also den Weg zur Autbahn zurück und kam durche eine Ortschaft, die es bald wohl nicht mehr geben wird. Ganze Straßen sind leer, Häuser geräumt, Türen und Fenster zugenagelt. Es erinnert ein bischen an einen Endzeit-Film, in dem die Apokalypse kurz bevor steht oder schon stattgefundne hat. Wir fanden dort auf jeden Fall eine Möglichkeit zu parken und in den Hambacher Forst zu ‘wandern’. Viel ist nicht mehr übrig …. nach 50 Metern Wald der teils von Demos gezeichnet ist und teils sogar noch von Demonstranten bewohnt wird, blickt man schon wieder auf ein gähnenden großes Beige.

Es war ein bisschen umheimlich für mich dort – so ganz alleine. Wirklich ganz alleine. Nach jedem zehnten Schritt wollte ich umkehren, sagte mir aber immer wieder, dass ich ja nun nicht So Weit gekommen bin um wieder umzudrehen und wagte mich vor bis zur Kante. Bis zur Kante zum Nichts. Ganz theatralisch und auch passend stand nämlich am Eingang des Waldes ein Wegweiser, augestellt von Naturschützern / Demonstranten. Ein Pfeil zeigte auf das Braunkohlewerk mit dem Wegweiser ‘Nichts’. der andere Pfeil zeigte in die Gegenrichtung und wies Richtung ‘Alles Andere’.

Es war ein einmaliges Erlebniss, emotional und schön. So wie unser Urlaub im Ganzen. Ich freue mich, die Reise ganz alleine angetreten zu haben. Wobei, so ganz allein war ich ja nicht – die besten Begleiter überhaupt waren 24 Stunden an meiner Seite – und ich an ihrer.

Ich freue mich, wenn euch mein Reisetagbuch gefallen, unterhalten, angeregt hat. Ich möchte auch in Zukunft immer einen Reisebericht schreiben, denn durch das Schreiben kann man das Erlebte gleich noch einmal erleben. Außerdem macht es mir unheimlich viel Spaß.

Ich hoffe abschließend, ihr hattet auch viel Spaß während unserer Woche Belgien / Holland. Hinterlasst gerne einen Kommentar, fragt was euch unter den Nägeln brennt oder diskutiert über Hambi 😉

Eure Dana mit Jasper & Bonnie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Kommentare

  • Manu

    Huhu.
    Ein super schöner Beitrag mal wieder 👍😃 Und NOCHMAL 😂 du brauchst kein schlechtes Gewissen haben wegen dem daß wir uns einmal etwas verrannt hatten . Ja , ich habe dir voll und ganz vertraut und du hast uns gut geführt und das toll ausgesucht . Ich habe mich auch schonmal verlaufen und das kann halt passieren . 🥰 Andersherum , hätten wir uns nicht verlaufen , hätten wir diesen tollen Ausläufer des hohen Venn gar nicht gesehen 👍 also , hatte das Verlaufen auch einen Vorteil irgendwie 😉 Ich fand es jedenfalls echt schön. Ich freue mich schon den Rest eures Reiseberichts zu lesen ! Das ist wirklich eine tolle Ecke 😊👍👍😥👏
    LG Manu & Nala 😘

    • Dana

      Danke meine Liebe, es war wirklich eine wunderschöne Ecke. Und ja …… manchmal sind es ja die Umwege, die uns zu den schönsten Gegenden bringen 😉

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